
Früher lieferte der Nooksack River im US-Bundesstaat Washington den Weißkopfseeadlern jeden Winter ein reichhaltiges Lachsbuffet. Die Fische laichten, starben und wurden ans Ufer angespült, wo die Adler sie fressen konnten. Doch durch den Klimawandel laichen die Lachse nun früher und zwar genau dann, wenn das jährliche Hochwasser des Flusses seinen Höhepunkt erreicht. Die toten Fische landen daher nun nicht mehr am Ufer, sondern werden davongeschwemmt.
Die in diesem Gebiet lebenden Seeadler mussten deshalb neue Nahrungsquellen für den Winter finden und velegten ihre Nahrungssuche von den Flüssen auf die Äcker. Sie jagen dort nun Kleinsäuger statt Fische, verschmähen aber auch Kadaver und andere fleischhaltige Nahrung nicht. Zumindest auf dem Land der Milchbauern sind sie deswegen gerne gesehen. „Viele Landwirte schätzen die Dienste, die die Adler erbringen, zum Beispiel die Beseitigung von Kadavern und Schädlingen“, berichtet Ethan Duvall von der Cornell University, der mit seinem Team die symbiotische Beziehung zwischen Adlern und Milchbauern erforscht hat.
Die Weißkopfseeadler ernähren sich im Winter nun unter anderem von den Abfallprodukten der Milchviehbetriebe, beispielsweise Bioabfälle, die durch die Geburten und Todesfälle von Kühen anfallen. Außerdem töten sie Wasservögel, Nagetiere und Stare, die sonst als landwirtschaftliche Schädlinge die Äcker leerfressen würden. Diese „Win-Win-Situation“ lässt Duvall hoffen, dass Landwirte und Naturschützer in Zukunft gemeinsam für das Wohl von Wildtieren einstehen könnten.





