Die Spätaufklärung hatte in den letzten beiden Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts zu einer gesellschaftlichen Annäherung zwischen Juden und Nicht-Juden geführt. In Berlin gab es eine kleine, aber reiche Gruppe jüdischer Bankiers, die einen quasi-bürgerlichen Status genoss. Ihre Beziehungen zu Adligen und Bürgerlichen waren zunächst ökonomischer Art, doch oft entwickelten sich daraus auch private Kontakte. Zu diesem jüdischen Protobürgertum sind auch die wenigen Intellektuellen, vorwiegend Ärzte, zu rechnen. Zu Kontakten kam es neben privaten Einladungen in den Kommunikationsinstitutionen, die durch die Aufklärung entstanden waren, zum Beispiel Debattierklubs, öffentliche Vorlesungen oder Lesegesellschaften.
In den 1780er Jahren kam eine neue Form des geselligen Treffens dazu: die Salons. Sie orientierten sich an französischen Vorbildern, pflegten einen lockeren Stil und wurden vor allem von Frauen geleitet. Das war neu, denn die Kommunikationsforen waren bis zu diesem Zeitpunkt weitgehend von Männern bestimmt worden. Neu war auch, dass es sich bei den Frauen, die aktiv wurden, vor allem um Jüdinnen handelte. Von den 14 Salons, die es zu dieser Zeit in Berlin gab, wurden neun von Jüdinnen geleitet. Zu den bekanntesten zählte der von Henriette Herz (1764 – 1847), die parallel zu dem wissenschaftlichen Debattierklub ihres Mannes einen Salon führte, in dem über Lyrik und Poesie diskutiert wurde. Sie war Tochter eines jüdischen Arztes und hatte mit 15 Jahren den Arzt und Philosophen Marcus Herz geheiratet, der ein Lieblingsschüler Immanuel Kants gewesen war. Später konvertierte sie zum Christentum. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 12/2013.
Prof Dr. Arno Herzig





