Das Feuer, schreibt Albert Speer in seinen Spandauer Tagebüchern, versetzte Hitler in „tiefe Erregung“. Er sah sich in der Reichskanzlei Filme vom brennenden London an, vom Feuermeer über Warschau. Er ließ sich Filme von explodierenden Geleitzügen vorführen, und Speer hielt fest, dass Hitler jedes Mal beim Anblick dieser Bilder eine Gier erfasst habe. „Nie habe ich ihn so außer sich gesehen wie gegen Ende des Krieges, als er wie im Delirium sich und uns den Untergang New Yorks in Flammenstürmen ausmalte. Er beschrieb, wie sich die Wolkenkratzer in riesige, brennende Fackeln verwandelten, wie sie durcheinander stürzten, wie der Widerschein der berstenden Stadt am dunklen Himmel stand“. Doch diese Phantasien waren kein Konstrukt des Krieges. Den „Endkampf “ mit den USA um die Weltherrschaft hatte Hitler bereits 1928 in seinem zweiten Buch angedeutet, das zu seinen Lebzeiten allerdings nicht veröffentlicht worden ist.
In den fünf „Führerstädten“ des „Dritten Reichs“ – in Berlin, Nürn-berg, Hamburg, München und Linz – gab es Planungen für Monumentalbauten, die auf Anordnung von Hitler in direkter Konkurrenz zu den größten vergleichbaren Bauten in den USA stehen und diese noch übertrumpfen sollten: ein Wolkenkratzer für Hamburg als Konkurrent für das Empire State Building, eine Elbbrücke als Widerpart zur Golden Gate Bridge in San Francisco und ein Bahnhof in München, der die New Yorker Grand Central Station in den Schatten stellen sollte.
Die USA eines Tages mit Fernbombern anzugreifen war in den NS-Führungszirkeln bereits vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs eine beschlossene Sache. Und die deutsche Industrie wusste davon. Reichsmarschall Hermann Göring, der Chef der Luftwaffe, verkündete im Juli 1938 bei einer Rede vor Luftfahrtmanagern auf seinem Landsitz Carinhall, dass er von der deutschen Luftfahrtindustrie die Entwicklung eines Flugzeugs erwarte, das „mit fünf Tonnen Bombenlast nach New York und zurück fliegt. Ich würde über einen solchen Bomber “, fuhr Göring fort, „außerordentlich glücklich sein, um endlich einmal dem Hochmut dort drüben etwas das Maul zu stopfen“.
Unter technischen Gesichtspunkten lagen die Nationalsozialisten voll im Trend. Es war die Zeit der Fliegerheroen, der Nachfolger von Charles Lindbergh. In den USA wurden damals russische Piloten, die aus der Sowjetunion nonstop nach Kalifornien flogen, als Volkshelden gefeiert. 1937 bestellte Hitler bei dem Flugzeugkonstrukteur Willy Messerschmitt zwei Fernflugzeuge, die 1940 einsatzfähig sein sollten, eine Kuriermaschine und ein „Führerflugzeug“. Mit dieser Maschine, die im Volksmund „Adolfine“ hieß, wollte Hitler persönlich das olympische Feuer von Berlin nach Tokio bringen. Hitlers Bündnispartner Mussolini hatte von diesen Plänen Wind bekommen und ließ in Italien eine Konkurrenzmaschine bauen, die „Savoia“. Diese Maschine flog während des Zweiten Weltkriegs wiederholt nonstop von Rom nach Tokio.




