Gewaltige Meteoriteneinschläge haben die eisigen Himmelskörper am Rand des Sonnensystems wahrscheinlich gehörig ins Trudeln gebracht: Durch kosmische Kollisionen haben sich die Drehachsen der Saturnmonde Rhea und Tethys sowie des Uranus-Mondes Titania wahrscheinlich um bis zu zwölf Grad verschoben, glauben die Geophysiker Francis Nimmo und Isamu Matsuyama. Auch Pluto und sein Mond Charon könnten durch Einschläge aus ihrer ursprünglichen Lage geworfen worden sein, berechneten die Forscher.
Auf Tethys, Rhea und Titania sind die Spuren der verheerenden Einschläge noch deutlich sichtbar. Die größten Krater auf den drei Monden, die jeweils einen Durchmesser um 1.000 Kilometer haben, sind zwischen 320 und 400 Kilometer groß. Da sich bei einem solch heftigen Einschlag die Masse eines Mondes umverteilt, kann sich die Rotationsachse so verlagern, dass der neue Krater näher an den Pol rückt. Beim Mond etwa liegt der größte Krater, der einen Durchmesser von 2.500 Kilometern hat, am Südpol.
Alle rotierenden Monde und Planeten sind am Äquator etwas dicker als an den Polen ? eine Folge der Fliehkraft. Bei der Erde macht der Unterschied beispielsweise 20 Kilometer aus. Wenn ein Himmelskörper durch einen schweren Einschlag ins Rollen gebracht wird, müssten tektonische Spannungen am Äquator auftreten, die zum Beispiel Risse hervorrufen könnten, schreiben Nimmo und Matsuyama.
Ob der Ex-Planet Pluto und sein Mond Charon von ähnlichen Katastrophen heimgesucht wurden wie Tethys, Rhea und Titania, ist nicht bekannt. Die Oberfläche der beiden Eisbälle wurde bislang noch nicht im Detail fotografiert, da sie noch keinen Besuch von einer Raumsonde erhalten haben. Erst im Jahr 2015 wird die Nasa-Sonde New Horizons bei Pluto eintreffen. Da beide sich relativ langsam um ihre eigene Achse drehen ? ein Tag auf Pluto dauert beispielsweise 6,4 Erdentage ? sind sie aber recht anfällig für umwälzende Stöße, berechnen Nimmo und Matsuyama. Dem Magazin New Scientist sagte der Forscher, dass Verschiebungen der Drehachse um zehn bis 20 Grad möglich seien.
Francis Nimmo (University of Arizona, Tucson) und Isamu Matsuyama (Carnegie Institution, Washington D.C.): Geophysical Research Letters, Bd. 34, S. L19203 Ute Kehse





