Wenn Kinder über Halsschmerzen und Schluckbeschwerden klagen, steckt oft eine Mandelentzündung dahinter. Dieses unangenehme Leiden wird mitunter von Viren verursacht – häufig sind aber auch Bakterien wie Streptokokken verantwortlich. Keime der Art Streptococcus pyogenes beispielsweise verursachen nicht nur Scharlach und gefährliche Hautentzündungen. Sie gehören darüber hinaus zu den häufigsten Ursachen einer eitrigen Mandelentzündung. In der Regel lassen sich diese Bakterien gut mit Antibiotika bekämpfen. Manche Kinder allerdings werden die Erreger einfach nicht los: Sie erkranken immer wieder und in kurzen Abständen an Tonsillitis. Als einziger Ausweg kommt in vielen Fällen dann nur noch eine Entfernung der Mandeln in Frage.
Kaum Antikörper
Warum aber sind manche Kinder derart anfällig für durch Streptokokken verursachte Mandelentzündungen, während andere mehr oder weniger immun zu sein scheinen? Um dieser bislang ungeklärten Frage nachzugehen, haben Jennifer Dan vom La Jolla Institute for Immunology in Kalifornien und ihre Kollegen sich die betroffenen Körperteile nun genauer angesehen. Sie verglichen Mandeln von 146 Kindern im Alter zwischen fünf und 18 Jahren, die die lymphatischen Organe entweder wegen Streptokokken-Infektionen und damit einhergehenden, wiederkehrenden Mandelentzündungen oder aus einem anderen Grund entfernt bekommen hatten.
Bei ihren Untersuchungen fielen den Forschern einige Unterschiede auf: Die häufig entzündeten Mandeln beherbergten signifikant weniger Immunzellen und hatten ein kleineres sogenanntes Keimzentrum – jener Bereich, indem nach einem Antigenkontakt B- und T-Lymphozyten miteinander interagieren und eine massive Vermehrung von B-Zellen stattfindet. Zusätzliche Blutanalysen zeigten, dass dieser Befund mit einer weiteren Besonderheit einherging: Im Blut der betroffenen Kinder fanden sich kaum Antikörper gegen ein von Streptococcus pyogenes-Bakterien produziertes Toxin namens SpeA. Bakterienstämme, die eine besonders potente Variante dieses Gifts absondern, sind die Hauptursache für Streptokokken-bedingte Mandelentzündungen. Die Kinder aus der Kontrollgruppe hatten dagegen große Mengen dieser Antikörper in ihrem Blut. Das deutet Dans Team zufolge darauf hin, dass sie den Keimen ausgesetzt waren, ohne krank zu werden.
Auch die Gene mischen mit
Für die beobachteten Unterschiede könnte zumindest zum Teil auch das Erbgut verantwortlich sein. So stellten die Wissenschaftler fest, dass wiederkehrende Mandelentzündungen bei den jungen Patienten häufig in der Familie zu liegen schienen und führten aus diesem Grund einige DNA-Tests durch. Tatsächlich zeigte sich: Zwei charakteristische Genvarianten im sogenannten humanen Leukozytenantigen-System (HLA) – einer Gruppe von Genen, die für die Funktion des Immunsystems von großer Bedeutung ist – scheinen das Risiko für wiederkehrende Mandelentzündungen zu erhöhen. Einige Kinder haben demnach offenbar eine gewisse genetische Veranlagung für Tonsillitis.





