Doch „erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt“. Denn nun kam das 19. Jahrhundert und mit ihm die kulturelle Revolution der Romantik. In ihrem Denken stellte sich die Welt völlig anders dar, als die Aufklärer es sich gedacht hatten. Die Romantik kappte die tiefste Basis der aufklärerischen Weltsicht, indem sie zeigte, dass es auf Fragen nach dem rechten Handeln keine letztgültigen Antworten gibt – weder objektive noch subjektive, weder empirische noch apriorische. Durch die Romantik wurde bald deutlich, dass auch gutwillige Menschen Ziele verfolgen können, die nicht miteinander vereinbar sind. Und das führt unweigerlich zu Konflikten, weil jede Person nicht nur ein Individuum ist, sondern immer auch Mitglied einer Familie oder Gesellschaft. In dieser dualen Existenz muss das Individuum daher oftmals sich widersprechende Absichten umsetzen.
In der Epoche der Romantik kam die Idee auf, dass sich allein mit dem Verstand nicht eindeutig klären lässt, was zum Wohle der Menschheit zu tun ist. Denn bei den dazugehörenden Entscheidungen kommen sittliche Werte ins Spiel, die nicht in der Welt zu finden sind. Die Menschen können sich an ihnen daher nicht wie an Naturgesetzen orientieren. Die Werte, nach denen auf Erden vorgegangen wird, kommen nicht von außen, sondern von innen. Menschen müssen sie selber schaffen, wodurch sie zu Künstlern werden, die zuletzt auch sich selbst entwerfen. Der Blick auf die Geschichte zeigt unübersehbar: Die Menschen haben diese kreative Freiheit tatsächlich ausgenutzt und ihr artistisches Potenzial ausgelebt. Aber ich glaube nicht, dass dies hierzulande angekommen ist.
Als der Club of Rome zu Beginn der 1970er-Jahre die berühmten „Limits to Growth“ ankündigte, prognostizierten die Autoren eine düstere Zukunft und berechneten, wann wesentliche Rohstoffe erschöpft sein werden: Erdöl gebe es ab 1990 nicht mehr, und mit dem Erdgas sei 1992 Schluss, versicherte der Club of Rome. Vielleicht sollte man erneut von Wilhelm Busch lernen, der 1863 über Resignation nachgedacht hat, die rau oder sanft daherkommen kann. Der kreative Mensch hat die Wahl. Durch die Wissenschaft verfügt er über „unendliche Möglichkeiten zu handeln“. Doch ich glaube nicht, dass davon ausreichend Gebrauch gemacht wird.





