Das Zentrum ist die nationale Vertretung der Cochrane Collaboration. Dieses globale Netzwerk besteht aus Wissenschaftlern, Gesundheitsfachleuten und Patienten, die Entscheidungen in der Gesundheitsversorgung verbessern wollen. Dafür stellt die Organisation systematisch unter anderem in Übersichtsartikeln (Reviews) frei zugängliche Gesundheitsinformationen zusammen, die jeweils dem aktuellen Stand der Forschung entsprechen. Das klingt einfach, ist aber ziemlich kompliziert. Allein schon wegen der enormen Anzahl der klinischen Studien, mit denen die Wirkung, die Nebenwirkung und der Nutzen von medizinischen Verfahren geprüft wird: Wohl eine Million solcher Studien existieren derzeit und jährlich werden 20.000 neue veröffentlicht.
Schwächelnde Studien
Vor allem aber ist stets zu fragen: Waren die Studienbedingungen fair? Wurden systematische Fehler gemacht? Haben die Forscher alle Daten publiziert? Ist die verbale Interpretation der Daten in Ordnung? Tatsächlich zeigen viele Studien Schwächen. Weil die Planer nicht genügend auf Fallstricke geachtet haben oder weil geschäftliche Interessen das Ergebnis beeinflusst haben. Die Cochrane Collaboration hat das im Blick.
Wenn Ärzte oder Apotheken ihre Patienten bestmöglich behandeln wollen, so sollten sie die Ergebnisse von klinischen Studien einbeziehen. Doch diese erscheinen heute nahezu ausschließlich in englischsprachigen Zeitschriften, zu denen Ärzte und Apotheken zudem häufig keinen freien Zugang haben. Das erschwert den Weg das Wissen aus der klinischen Forschung in die Praxis zu holen. Cochrane Deutschland sieht es als seine Aufgabe an, diese Barriere zu überwinden.
2014 und 2015 hat der Bund die Arbeit des Deutschen Cochrane Zentrums mit jeweils rund 230.000 Euro Projektmitteln gefördert. Das geht aus der kürzlich veröffentlichten Antwort auf eine kleine Anfrage der Fraktion “Die Linke” hervor. Das ist ein Kleinstbetrag angesichts von rund 194 Milliarden Euro, die allein die Gesetzlichen Krankenversicherungen 2014 für die Gesundheit der Deutschen auszahlten. Vor allem aber muss das Zentrum die Projektmittel jedes Kalenderjahr neu beantragen. Eine der Folgen: Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten sich in den letzten Jahren jeweils im Oktober als arbeitssuchend melden, weil keine rechtsverbindliche Finanzierungszusage für ihre Stelle vorlag.





