Es war also ein Mädchen, Erika. Ich war sehr verärgert. Ich war immer verärgert, wenn ich ein Mädchen bekam.“ Mit diesen Worten kommentierte Katia Mann (1883 –1980) die Geburt ihres ersten Kindes. Das Zitat aus dem Jahr 1905 belegt, welch hohe Bedeutung die junge Mutter der Geburt eines männlichen Stammhalters zuwies.
Katia Mann war mit ihrer Haltung im frühen 20. Jahrhundert keineswegs eine Ausnahme. Aber gerade in ihrem Fall mag diese Einstellung verwundern, denn die Ehefrau Thomas Manns war die Enkelin von Hedwig Dohm (1831–1919). Mit scharfer Zunge hatte die frühfeministische Schriftstellerin in den 1870er Jahren begonnen, die weiblichen Lebenswelten des Kaiserreiches kritisch zu beleuchten. „Der Durchschnittsmann verlangte und verlangt auch heut noch von seiner Frau nicht mehr als eine tüchtige Haushälterin und eine bereite und willige Liebesgenossin. … So lange es heißt: Der Mann will und die Frau soll, oder, wie Nietzsche es ausdrückt: ‚Das Glück des Mannes heißt: ich will, das Glück des Weibes, er will‘ (der Idealethiker Johannes Müller verspricht der Frau in der bedingungslosen Unterwerfung eine berauschende Wollust), so lange ist Frauentum innig verwandt mit Chinesentum, und wir leben nicht in einem Rechts-, sondern in einem Gewaltstaat“, lautete ihr Fazit. …
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Prof. Dr. Sylvia Schraut




