Bereits seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren französische Expeditionen nach Nordamerika geschickt worden; später entwickelte sich nach und nach der Pelzhandel am Sankt-Lorenz-Strom. 1663 wurde Neufrankreich zur Provinz und bekam einen Intendanten. 100 Jahre später, mit dem Ende des Siebenjährigen Krieges, verlor Frankreich schließlich seine Besitzungen in Nordamerika. Die Franzosen waren bis dahin erst zu den Großen Seen, dann ins Tal des Mississippis, schließlich bis zum Golf von Mexiko im Süden (Neuspanien), den Rocky Mountains im Westen und der Hudson-Bay im Norden vorgedrungen.
Sautter beschreibt die Zeit der Franzosen in Kanada, ihre Erfolge und Misserfolge, gemessen an ihren Zielen. Die Franzosen wollten Passagen durch das Land, möglichst zum Pazifik, entdecken, die indigene Bevölkerung missionieren, natürliche Ressourcen erschließen und territoriale Ansprüche, insbesondere gegen England, geltend machen. Die Probleme, denen die Franzosen bei der schrittweisen Erkundung des neuen Kontinents begegneten, werden ebenso analysiert wie politische Maßnahmen. So wurden beispielsweise zeitweise Reisen in den Westen außer für Missionare verboten, um die Männer zum Bewirtschaften der Farmen anzuhalten; dies wirkte sich natürlich negativ auf neue Entdeckungen aus. Sautter zeichnet auch ein oft lebendiges und interessantes Bild der wichtigsten Akteure: der Ureinwohner, Pelzhändler, Missionare, Militärs, Siedler, Waldläufer und Voyageure, wie diejenigen genannt wurden, die mit den Kanus ins Landesinnere reisten. Geboten werden auch überraschende Zahlen, die bewusst werden lassen, dass die Erforschung des Kontinents letztlich von sehr wenigen Personen vorangetrieben wurde und die „Personaldecke“ sehr dünn war: Sautter geht davon aus, dass es in den späten 1660er-Jahren nur zwischen 100 und 200 Waldläufer im Gebiet der oberen Großen Seen gab, und die Zahl der Überwinterer im Westen, also denen, die auch im Winter weit im Landesinneren blieben, selbst im 18. Jahrhundert wohl kaum höher als 600 war. Und 1754, beim Ausbruch des Siebenjährigen Krieges, waren lediglich 261 Offiziere und Gemeine von Fort Frontenac am Ontariosee bis Fort Pascoyac am Saskatchewan (Manitoba) stationiert. Letztlich scheiterte die Inbesitznahme Kanadas durch die französische Krone bzw. der Machterhalt auch daran, dass Frankreich schlicht nicht bereit oder auch fähig war, genügend Mittel und Personal dafür bereitzustellen.
Das nicht sehr umfangreiche Buch gibt einen ersten Einblick in die Geschichte der Franzosen in Nordamerika und ist gut lesbar.
Rezension: Timo Widmaier




