Die Wasserströmungen in den Tiefen des Atlantiks haben vor etwa 55 Millionen Jahren innerhalb eines Zeitraums von nur wenigen Tausend Jahren ihre Richtung umgekehrt. Dies haben Studien von Fossilien des Ozeangrunds ergeben. Dem Forscherteam der Universität von Kalifornien in San Diego zufolge fiel diese Richtungsänderung mit einer plötzlichen Erwärmung der Ozeane um 7-8 Grad Celsius zusammen.
In ihrer Studie untersuchten Flavia Nunes und Richard Norris 55 Millionen Jahre alte Fossilien des Atlantikgrunds auf das Verhältnis der beiden Kohlenstoffisotope C-12 und C-13. Da Wasser am Meeresgrund aufgrund herabsinkender toter Lebewesen einen erhöhten Anteil von C-12 aufweist, konnten sie auf diese Weise mit einer radiometrischen Methode den Verlauf der Strömungen bestimmen.
Das wohl überraschenste Ergebnis dabei ist der extrem kurze Zeitraum, über den der tiefe Ozeanstrom des Atlantiks seine Flussrichtung von nordwärts nach südwärts umgekehrt hat ? dazu waren nur einige Tausend Jahre nötig. Diese durch die damals stattfindende globale Erderwärmung ausgelöste Richtungsänderung korrigierte sich erst nach etwa 100 000 Jahren auf natürliche Weise.
Die Forscher sehen ihre Studie als ein weiteres Warnsignal der Folgen einer von Menschen ausgelösten erneuten Erderwärmung. Da der nordwärts gerichtete Atlantikstrom warmes Wasser der Golfregionen nach Nordeuropa leitet, könnte dessen Umkehrung ein Vereisen nördlicher Regionen auslösen und somit etwa als erste Konsequen den Schiffverkehr in Skandinavien zusammenbrechen lassen.
Nature (Band 439, Seite 60) Stefan Maier





