von THORSTEN DAMBECK
Vor kaum drei Millionen Jahren stand die Evolution des Menschen noch am Anfang und war auf Afrika beschränkt. Auch die nördliche Halbkugel sah anders aus: In den hohen Breiten waren die kontinentalen Eisschilde viel kleiner, in Europa lag der Meeresspiegel rund 15 Meter über dem aktuellen Niveau. Wo heute Deutschland ist, reichte die Nordsee weiter landeinwärts. Mammuts, Nashörner und zoologische Verwandte der Giraffen streiften durch die waldreiche Landschaft, Säbelzahnkatzen stellten ihrer Beute nach.
Es herrschten relativ milde Klimabedingungen – teils überstiegen die Kohlendioxid-Konzentrationen die Werte der heutigen Luft. Doch als die Eismassen nach Süden vorrückten, wandelte sich das globale Klima: Es schwankte zwischen warmen Zwischeneiszeiten, den Interglazialen, und üblicherweise Eiszeiten genannten Glazialen; diese Phasen erstreckten sich jeweils über einen Zeitraum von bis zu 100.000 Jahren. (Welche Rolle dabei die Umlaufbahn der Erde um die Sonne spielte, schildert der Artikel „Die Fieberkurve der Erde“.)
„Bis vor 2,7 Millionen Jahren war es relativ ruhig, dann traten die ersten starken Kälteeinbrüche auf“, sagt David Hodell von der britischen Cambridge University. Aus relativ warm und stabil wurde damals kalt und chaotisch. „Die Eiszeiten waren nicht nur kalt, sondern auch von starken Temperaturschwankungen innerhalb relativ kurzer Zeiträume geprägt“, wie eine neue Studie des Geologen belegt, und zwar mit heftigen Fluktuationen während nur etwa eintausend Jahren.
Rätselhafte Temperaturschocks
Es ist nicht das erste Mal, dass Forscher auf plötzliche Fluktuationen in den Daten vergangener Klimata gestoßen sind. Als Dansgaard-Oeschger-Ereignisse sind sie schon länger bekannt. Dabei geht es allerdings um einen Temperaturanstieg. Im Verlauf solcher Ereignisse trat zuerst eine abrupte Erwärmung auf, dann folgte eine längere Abkühlung von einigen hundert Jahren. Erste Belege dafür fanden sich bereits in den 1980er-Jahren in grönländischen Eiskernen.

Die IODP-Expedition 397 (International Ocean Discovery Program) gewann im Jahr 2022 vier Bohrkerne vor der Küste Portugals an der Grenze des Kontinentalsockels. Die Farben codieren die Höhe: Dunkel- und hellblau entsprechen 5000 und 1000 Meter unter dem Meeresspiegel, gelb und braun 100 und 400 Meter darüber. · Foto: © Grafik: David A. Hodell et al., Onset of millennial climate variability with the intensification of Northern Hemisphere glaciation, Science, 57 (2026), Vol. 392, DOI: 10.1126/science.ady7970








