Als die europäischen Kolonialmächte begannen, Sklaven aus Afrika in ihre Kolonien in der Neuen Welt zu verfrachten, waren sie wesentlich stärker auf die Hilfe örtlicher afrikanischer Menschenhändler angewiesen, als dies gemeinhin bekannt ist. Man muss sich vor allem von dem portugiesischen Heldenmythos der „Entdeckungen und Eroberungen“ (Stichwort: „Heinrich der Seefahrer“) an den Küsten Westafrikas lösen. Als Portugiesen und Spanier um 1460 am Senegal-Fluss ankamen, mussten sie Allianzen mit den örtlichen afrikanischen Eliten schließen und fungierten zunächst sogar als deren Hilfstruppen und Transporteure, oft auch, wenn es darum ging, Sklaven von einem Punkt Afrikas zum anderen zu bringen. Sie bekamen, um es salopp zu formulieren, nirgends auf dem Kontinent wirklich einen Fuß auf die Erde. Ganz anders nach 1492 in der Karibik und Südamerika, wo beispielsweise den Spaniern spektakuläre Siege über indigene Völker, wie die Inka, gelangen – und eingeschleppte Krankheiten Millionen von Menschen dahinrafften.
Der Bau von Festungen und Faktoreien in Westafrika war im 15. und 16. Jahrhundert immer von der Duldung afrikanischer Eliten abhängig und diente eher dem Fernhalten europäischer Konkurrenz. Am meisten Einfluss hatten speziell die Portugiesen dort, wo afrikanische Eliten das Christentum annahmen und Priester sowie Missionare zusammen mit Militärs einen gewissen Einfluss erlangten, wie im Kongo-Reich. Aber selbst dort dauerten die Auseinandersetzungen um einen Hafen und eine territoriale Basis mehr als 90 Jahre, so im Fall von Luanda und Ndongo (im heutigen Angola) von 1575 bis um 1670. Dort waren die Portugiesen immer auf „schwarze Portugiesen“, Neu-Christen, sobas („Provinzfürsten“), quimbares (hohe Adlige) und pumbeiros (lokale Sklavenhändler) angewiesen – viele von ihnen wurden bezeichnenderweise kamundele („kleine Weiße“) genannt. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 10/2013.
Prof. Dr. Michael Zeuske




