Asthma, Heuschnupfen oder Nahrungsmittelallergien: Allergische Erkrankungen manifestieren sich oft schon im Kindesalter – und sie werden immer häufiger. Mediziner vermuten, dass dazu auch für moderne Gesellschaften typische Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung oder eine unausgewogene Ernährungsweise beitragen. Auch der fehlende Kontakt mit bestimmten Bakterien könnte für die Entstehung von Allergien eine Rolle spielen. Von Bedeutung ist dabei wahrscheinlich nicht nur die Mikroben-Zusammensetzung im Kinderzimmer. Schon das bakterielle Umfeld im Mutterleib könnte das Allergierisiko beeinflussen, wie Studien nahelegen. So ist schon länger bekannt, dass die mütterliche Darmflora die Entwicklung des kindlichen Immunsystems mitstimuliert. Doch welche Keime sind in diesem Zusammenhang besonders wichtig?
Dieser Frage haben sich nun Peter Vuillermin von der Deakin University im australischen Geelong und seine Kollegen gewidmet. Konkret konzentrierten sie sich dabei auf das gramnegative Bakterium Prevotella copri. “Die Gattung Prevotella ist als bakterieller Mitbewohner in westlichen Bevölkerungen deutlich seltener als in traditionellen, nicht-industrialisierten Gesellschaften”, erklären die Forscher. Das Interessante: Diese Mikroben fermentieren Ballaststoffe in unserem Darm zu Acetaten – kurzkettigen Fettsäuren, die antientzündliche Wirkungen haben und die Entwicklung bestimmter Immunzellen fördern können. Bei schwangeren Mäusen hat sich bereits gezeigt, dass solche von Darmbakterien produzierten Substanzen die Plazenta passieren können und so auch die Immunabwehr des Nachwuchses beeinflussen. Aber gilt dies auch beim Menschen?
Darmmikroben von Schwangeren im Visier
Um das herauszufinden, hat Vuillermins Team Daten von einer australischen Probandengruppe mit 1.064 Müttern ausgewertet. Die Frauen und ihr Nachwuchs wurden während der Schwangerschaft sowie das erste Jahr nach der Geburt begleitet. Für ihre Studie suchten sich die Forscher nun gezielt 58 Mütter heraus, deren Kinder eine ärztlich nachgewiesene Lebensmittelallergie entwickelt hatten. Zusätzlich wählten sie 258 weitere Mutter-Kind-Paare nach dem Zufallsprinzip aus. Würde sich ein Zusammenhang zwischen der Darmflora der Frauen während der Schwangerschaft und dem frühkindlichen Allergierisiko offenbaren?
Die Analysen ergaben: Bei 80 Prozent der Schwangeren war Prevotella copri in den untersuchten Stuhlproben nicht zu finden – das Bakterium fehlte in der körpereigenen Mikrobengemeinschaft. Genau dies wirkte sich offenbar tatsächlich auf die spätere Anfälligkeit der Kinder für Allergien aus. Dies galt insbesondere für Nahrungsmittelallergien, beispielsweise gegen Ei, Erdnuss, Cashewnuss oder Kuhmilch. “Die Präsenz und die Menge von P. copri war bei Müttern von Kindern ohne Nahrungsmittelallergien substanziell höher als bei Müttern von Kindern mit Allergie”, berichten die Wissenschaftler. Dieser Zusammenhang zeigte sich selbst dann noch, als sie andere mögliche Einflussfaktoren mitberücksichtigten. Wie das Team feststellte, schien der schützende Effekt von P. copri auch abhängig von der Ernährungsweise der Mütter zu sein. Bei Frauen, die sich fett- und ballaststoffreich ernährten, war er demnach besonders hoch.





