von ELENA BERNARD
Kieselalgen produzieren nicht nur jede Menge Sauerstoff. Sie tragen auch dazu bei, Stickstoff zu fixieren und die Ozeane auf diese Weise zu düngen. Stickstoff ist für das Wachstum von Pflanzen unverzichtbar – egal ob an Land oder im Wasser. Obwohl rund 78 Prozent unserer Atmosphäre aus elementarem Stickstoff bestehen, können Pflanzen das lebenswichtige Element in dieser Form nicht aufnehmen. Üblicherweise fixieren stattdessen Bakterien den Stickstoff aus der Luft und wandeln ihn in für Pflanzen nutzbare Verbindungen um.
An Land gehen Hülsenfrüchtler wie Bohnen, Klee und Lupinen eine Symbiose mit sogenannten Knöllchenbakterien (Rhizobien) ein. In den Ozeanen galten lange Cyanobakterien als die Hauptverantwortlichen für die Stickstofffixierung. Doch offenbar wurde dabei die Rolle der Kieselalgen übersehen. Anhand von Analysen des genetischen Materials in Meerwasserproben wies ein Forschungsteam um Bernhard Tschitschko vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen nun nach, dass Kieselalgen – ähnlich wie Hülsenfrüchtler – in der Lage sind, eine Symbiose mit Rhizobien einzugehen.
Wie das Team im Mai 2024 in der Fachzeitschrift Nature berichtete, erhält die Rhizobie von der Pflanze Kohlenstoff und liefert ihr im Austausch Stickstoff. „Um die Kieselalge in ihrem Wachstum zu unterstützen, fixiert das Bakterium 100-mal mehr Stickstoff, als es für sich selbst benötigen würde“, erklärt Co-Autorin Wiebke Mohr. Weitere Untersuchungen enthüllten, dass die Lebensgemeinschaft aus Kieselalge und Bakterium in den Ozeanen der Welt weit verbreitet ist – insbesondere an Stellen, in denen nur wenige stickstofffixierende Cyanobakterien vorkommen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Symbiose aus Rhizobien und Kieselalgen im tropischen Nordatlantik ebenso viel gebundenen Stickstoff beitragen kann wie cyanobakterielle Stickstofffixierer“, berichten die Forschenden.
Ein neues Organell
Eine andere Art von Meeresalgen hat sogar eine noch weitergehende Symbiose mit einem bakteriellen Stickstofflieferanten entwickelt: In der einzelligen Alge Braarudosphaera bigelowii entdeckte ein Team um Tyler Coale von der University of California eine Struktur, die ursprünglich auf ein stickstofffixierendes Cyanobakterium zurückgeht. „Das stickstofffixierende Cyanobakterium UCYN-A wurde bereits zuvor als Endosymbiont der Alge beschrieben“, erklärt das Team im April 2024 in der Fachzeitschrift Science. Bei einer Endosymbiose lebt einer der beiden Partner im Inneren des anderen – in diesem Fall das Cyanobakterium in der Algenzelle. Die Analysen von Coale und seinem Team zeigen nun, dass das Bakterium so eng in den Stoffwechsel der Alge eingebunden ist, dass es die Schwelle zu einem Organell, also einem festen Bestandteil der Zelle, überschritten hat.





