Abgesehen von Karls Vorliebe für Gebratenes, entsprach seine Lebensführung gemäß Einhards Schilderungen beinahe vorbildlich zeitgenössischen medizinischen Vorstellungen zur Vorbeugung gegen Krankheiten. Diese fußten auf den Lehren der griechischen Ärzte Hippokrates von Kos (gest. um 370 v. Chr.) und Galen (Galenos) von Pergamon (gest. um 199 n. Chr., für beide siehe Artikel Seite 24) zur Diätetik. Demnach war ein rechtes Maß der sogenannten „sechs nicht natürlichen Dinge“ (lateinisch: sex res non naturales) zur Aufrechterhaltung der Gesundheit nötig. Hierzu gehörten Speise und Trank, Stoffwechsel, Betätigung und Ruhe, die Zeiten des Schlafens und Wachens, Licht und Luft sowie Anregungen des Gemüts etwa durch Musik.
Der hippokratisch-galenischen Lehre zufolge fließen im menschlichen Körper die vier Säfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle und stehen dabei im Gleichgewicht. Wird diese empfindliche Balance durch den übermäßigen Fluss des einen oder anderen Safts gestört, äußert sich dies durch Krankheit. Dabei ergibt sich die Art der Erkrankung aus spezifischen Eigenschaften des jeweils überschüssigen Körpersafts wie Beschaffenheit, Farbe und Geschmack…
Autor: Prof. Dr. Kay Peter Jankrift





