Strudiella devonica hatte alles, was ein Insekt braucht: sechs Beine, dreieckige Kiefer, zwei lange Fühler und einen Hinterleib, der aus zehn Segmenten bestand. Das Besondere an dem acht Millimeter langen Tierchen: Es lebte vor 370 Millionen Jahren, zu einer Zeit, als die Vorfahren der Säugetiere, aber auch die wirbellosen Gliederfüßer begannen, das Land zu erobern. Wie französische Forscher um Romain Garrouste berichten, ist Strudiella das älteste komplett erhaltene Fossil eines Insekts.
Insekten zählen zu den erfolgreichsten Tiergruppen auf der Erde. Seit der Mitte des Erdzeitalters Karbon, vor etwa 325 Millionen Jahren, bevölkern sie in großer Vielfalt die Erde. Doch ihre Ursprünge liegen im Dunkeln. Irgendwann vor mehr als 400 Millionen Jahren trennte sich die Linie der Insekten von der der anderen Gliederfüßer, zu denen zum Beispiel Krebse, Spinnen, Milben und Asseln gehören. Während ihre Vorfahren noch das Wasser bewohnten, passten sich die Insekten zusammen mit anderen Tierarten, zum Beispiel den Wirbeltieren, an das neue Leben auf dem Land an.
Über die frühe Entwicklung der Insekten ist allerdings wenig bekannt, da es aus einem 60 Millionen Jahre langen Zeitraum zwischen 385 und 325 Millionen Jahren vor heute praktisch keine Fossilien gibt. Aus der Zeit vor dieser Lücke wurden bislang nur wenige Bruchstücke gefunden, die keine genauen Schlüsse zulassen. Die Paläontologen rätseln daher, ob die plötzliche Artenvielfalt im Devon sich langsam während der Zeit der fossilen Lücke entwickelte oder ob die Evolution der Insekten in der Mitte des Karbons einen plötzlichen Schub erhielt.
Strudiella lässt nun darauf schließen, dass die Entwicklung im Karbon eine lange Vorlaufzeit hatte. Garrouste und seine Kollegen entdeckten das Fossil in einem Steinbruch in Belgien. Das Fossil war zwar relativ schlecht erhalten, doch die Kombination verschiedener Körpermerkmale ließ darauf schließen, dass es sich um ein Insekt handeln muss. Wie die Forscher schreiben, wurde das Tierchen zwar am Boden eines flachen Meeres versteinert, in dem es von Triops-Krebsen wimmelte. Strudiella lebte aber an Land und ernährte sich entweder von Pflanzen oder war Allesfresser. Flügel konnten die Forscher nicht entdecken, doch sie vermuten, dass es sich um die Larve eines geflügelten Insekts handelte.
Romain Garrouste, (Muséum national d?Histoire naturelle, Paris) et al: Nature, Bd 488, S. 82, doi:10.1038/nature11281 © wissenschaft.de – Ute Kehse





