Menschen mit starkem Übergewicht und Adipositas tun sich oft schwer damit, dauerhaft abzunehmen. Ursachen dafür sind keineswegs nur mangelnde Diät-Disziplin, sondern auch biologische Faktoren. So legen Studien nahe, dass die hormonelle Steuerung von Hunger- und Sättigungsgefühl bei stark Übergewichtigen aus dem Gleichgewicht geraten ist. Auch die veränderte Darmflora der Betroffenen könnte dazu beitragen, den Appetit anzuheizen und den Jojo-Effekt zu begünstigen. “Die erneute Gewichtszunahme nach einer Diät und Umstellung der Lebensweise ist in Teilen auf anhaltende Anpassungen des Stoffwechsels zurückzuführen, durch die die Hungerhormone der Betroffenen zunehmen und die Sättigungshormone weniger werden”, erklären Thomas Wadden von der University of Pennsylvania und seine Kollegen. “Der Energieverbrauch verringert sich zudem im Verhältnis zum Gewichtsverlust überproportional stark.” Als Folge ist es für Menschen mit starkem Übergewicht schwieriger, beispielsweise durch Sport zusätzliche Kalorien zu verbrennen.
Tirzepatid ahmt zwei Darmhormone nach
In den letzten Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass einige ursprünglich gegen Diabetes Typ 2 entwickelte Wirkstoffe diesen Teufelskreis zumindest in Teilen durchbrechen können. Diese Mittel, darunter der unter den Präparatnamen Ozempic beziehungsweise Wegovy zugelassene Wirkstoff Semaglutid, ahmen ein körpereigenes Darmhormon nach, das den Zuckerstoffwechsel und das Sättigungsgefühl beeinflusst. Dieses Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1) wirkt sowohl auf die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse als auch auf das Gehirn und trägt so dazu bei, den Hunger und den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Klinische Studien ergaben, dass Adipositas-Patienten durch diese “Abnehmspritze” stetig und anhaltend an Gewicht verlieren – zumindest solange der Wirkstoff einmal wöchentlich gespritzt wird. Im Fokus der aktuellen Studie stand ein weiterer, weiterentwickelter Wirkstoff: Tirzepatid ahmt nicht nur die Wirkung des GLP-1-Botenstoffs nach, sondern auch die eines zweiten Darmhormons, des Glukoseabhängigen Insulinotropen Peptid (GIP).
Diese kombinierte Wirkung führte in früheren Studien bereits zu einer Gewichtsreduktion von gut 20 Prozent in 72 Wochen – mehr als bei Semaglutid. Für die Behandlung von Diabetes Typ-2 ist Tirzepatid unter dem Handelsnamen Mounjaro in den USA und in der EU bereits zugelassen, die Zulassung für die Behandlung von Adipositas ist in Arbeit. Das Team um Wadeen hat nun untersucht, ob sich der Abnehmerfolg durch Tirzepatid noch erhöhen lässt, wenn man ihn mit einer Diät und konsequenten Umstellung der Lebensweise kombiniert. Dafür unterzogen sich die 806 Teilnehmenden zunächst zwölf Wochen lang einer klassischen Diät, in der sie intensive Beratung sowie Anleitung zur Umstellung ihrer Lebensweise erhielten. Diejenigen, die nach dieser Vorbereitungsphase dabeigeblieben waren und die in den diesen drei Monaten mindestens fünf Prozent abgenommen hatten, durften an der nächsten, 72 Wochen dauernden Studienphase teilnehmen. In dieser erhielt die Hälfte der Testpersonen ein Placebo, die andere einmal wöchentlich eine Dosis Tirzepatid, die allmählich von anfangs 2,5 Milligramm auf 10 bis 15 Milligramm erhöht wurde. Weder Teilnehmende noch Forschende wussten, wer was bekommt.





