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Abholzung bringt Amazonas näher an seinen Kipppunkt
Erde & Umwelt

Abholzung bringt Amazonas näher an seinen Kipppunkt

Blick auf gerodete Flächen im Amazonas-Regenwald. · Foto: Uwe Bergbwitz/ iStock

Der Amazonas-Regenwald ist anfälliger als gedacht: Schreitet die Abholzung weiter voran, könnten zwei Drittel des Regenwalds schon bei einer Erwärmung um 1,5 bis 1,9 Grad zur Savanne werden, wie Klimaforscher berichten. Dieser Kipppunkt droht demnach, wenn die Entwaldung 22 bis 28 Prozent erreicht – zurzeit liegt…
Autor
Redaktion
08. Mai 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Der Amazonas-Regenwald ist ein Hotspot der Artenvielfalt und gilt als „grüne Lunge“ der Erde. Denn die Tropenwald-Bäume binden große Mengen des Treibhausgases CO2, gleichzeitig kühlt und befeuchtet der von ihnen abgegebene Wasserdampf die Atmosphäre. Regenwälder erzeugen so einen großen Teil des von ihnen benötigten Niederschlags selbst. Im Amazonasgebiet macht dieser selbst produzierte Regen örtlich bis zu 50 Prozent des gesamten Niederschlags aus. Der von den Bäumen abgegeben Wasserdampf spielt zudem eine wichtige Rolle als Starthilfe für die alljährliche Regenzeit.

Doch Klimawandel und Abholzung setzen dem Amazonas-Regenwald immer stärker zu: Schon jetzt sind 17 bis 18 Prozent seiner Fläche durch Rodung zerstört, durch die globale Erwärmung häufen sich Trockenperioden. Inzwischen mehren sich die Indizien dafür, dass sich das Gebiet einem Kipppunkt nähert. Der Regenwald könnte sich dann irreversibel in eine Savanne verwandeln. Wann dieser Kipppunkt erreicht sein wird, ist jedoch strittig.

Intakter Wald ist resilient

Jetzt liefert eine neue Modellanalyse präzisere Informationen. Nico Wunderling von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und sein Team haben für ihre Simulation zunächst rekonstruiert, wie viel Feuchtigkeit im Amazonasgebiet selbsterzeugt ist und wie síe in der Atmosphäre über dem Regenwald transportiert wird. Dann koppelten sie dies mit verschiedenen Klimaszenarien, die eine Erwärmung von 1,5 bis mehr als vier Grad simulierten. Das Team untersuchte dann, wie sich dies mit und ohne zusätzliche Abholzung auf den Waldbestand und das Überschreiten des Kipppunkts zur Savanne auswirkt.

Die Simulationen zeigten: Ohne fortschreitende Entwaldung erreicht der Amazonas-Regenwald den Kipppunkt erst bei einer Erwärmung um 3,7 bis 4,0 Grad. „Aber es gibt selbst dann keinen Punkt, an dem das komplette Amazonassystem umkippt“, berichten Wunderling und seine Kollegen. Selbst bei starker Erwärmung wandelten sich im Modell nur rund 35 Prozent des Waldgebiets in Savanne um. „Das legt nahe, dass es im Amazonas-Regenwald Gebiete gibt, die eine hohe Resilienz gegenüber Trockenheit und den klimawandelbedingten Rückgängen der Niederschläge aufweisen“, so das Team.

Bei weiterer Abholzung droht Umkippen schon bei 1,5 Grad

Doch das ändert sich drastisch, wenn die Entwaldung weiter voranschreitet: „Nachdem wir die Abholzung in unsere Analysen aufgenommen haben, finden wir Kipppunkte in allen Klimaszenarien“, schreiben die Forschenden. Schon eine Erwärmung von 1,5 bis 1,9 Grad und ein Waldverlust von 22 bis 28 Prozent reichen demnach aus, um große Teile des Amazonasgebiets bis Mitte dieses Jahrhunderts umkippen zu lassen. Bis zu 77 Prozent des Regenwalds könnten bei dieser schon gemäßigten Erwärmung verschwinden.

„Abholzung macht den Amazonas deutlich anfälliger, als wir bisher dachten“, sagt Wunderling. Sein Co-Autor Arie Staal von der Universität Utrecht erklärt: „Wenn Abholzung den Feuchtigkeitstransport in einem Teil des Amazonas unterbricht, können ganze Regionen durch sich ausbreitende Dürreeffekte an Widerstandskraft verlieren – selbst Hunderte oder sogar Tausende Kilometer entfernt. Globale Erwärmung und Abholzung verändern dadurch die Niederschlagsmuster im gesamten Amazonasgebiet.“

Die Studie liefert damit die bislang detaillierteste Abschätzung darüber, wie sich Erwärmung und Entwaldung auf die Stabilität des Amazonas auswirken. Doch diese Entwicklung sei nicht unausweichlich, betonen die Forschenden: „Wenn Abholzung gestoppt, bereits geschädigte Wälder ökologisch wiederhergestellt und die Emissionen schnell gesenkt werden, lassen sich die Risiken deutlich verringern“, sagt Co-Autor Johan Rockström vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Quelle: Nico Wunderling (Goethe-Universität Frankfurt am Main) et al., Nature, 2026; doi: 10.1038/s41586-026-10456-0

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