Die Grube Messel zwischen Frankfurt am Main und Darmstadt ist als Fundstelle Zehntausender Fossilien weltberühmt. Vor rund 50 Millionen Jahren gab es dort einen Vulkansee, in dessen giftiger Tiefe kein Leben möglich war. Tiere und Pflanzen, die auf den Grund des Sees sanken, wurden konserviert. Umstritten war unter Experten bisher, ob das Wasser auch in den oberen Schichten giftig war oder ob dort möglicherweise ein Biotop bestand – was neue Einblicke in die damaligen Umweltbedingungen und in die Lebensumstände urzeitlicher Organismen gewähren würde. Forscher um Walter G. Joyce von der Universität Tübingen sagen jetzt, dass es in den oberen Wasserschichten des Sees tatsächlich ein solches Biotop gegeben hat.
Als die Tübinger Forscher Fossilien von zwei Wasserschildkröten der Art Allaeochelys crassesculpta genauer untersuchten, stellten sie fest: Die Tiere waren während der Paarung gestorben. Da die modernen Verwandten der versteinerten Schildkröten eine durchlässige Haut besitzen, mit der sie unter Wasser atmen können, folgerte Joyce: Die Schildkröten hatten ihr Techtelmechtel an der ungiftigen Oberfläche des Vulkansees begonnen und waren dann im Taumel des Liebesakts nach unten gesunken und dort verendet.
Übrigens: Die fossilen Schildkröten sind laut Joyce mit 47 Millionen Jahren das älteste bekannte Beispiel sich paarender Wirbeltiere. Passenderweise hat der Wissenschaftler seine Studie mit „Caught in the Act” überschrieben.





