In tagebuchartigen Texten gibt Herrmann Einblicke in die extremen Herausforderungen des Solosegelns und die komplizierte Technik an Bord. Flauten und heftige Stürme machen ihm zu schaffen. Ständig muss er etwas reparieren, trotz Höhenangst sogar auf einen beschädigten Mast klettern. Der eingefleischte Teamplayer erzählt offen von seinen Problemen mit der Einsamkeit. Von permanentem Schlafmangel, aber auch von der Schönheit des Meeres und beglückenden Begegnungen mit Seevögeln. Der Zusammenstoß mit einem Wal beendet schließlich seine Chancen im Rennen.
Auf hoher See registriert Herrmann seit Jahren die Veränderungen durch den Klimawandel, etwa die eisfreie Nordostpassage und das schmelzende Eis der Arktis. Für die Forschung sammelt er daher Informationen über den Zustand der Ozeane. Messinstrumente an Bord und Drifter-Bojen liefern Echtzeitdaten und werden an das GEOMAR in Kiel übermittelt. Auch Herrmanns Team ist im Meeresschutz aktiv, etwa durch Umweltbildung für Kinder und die Aufforstung von Mangroven.
Walter Wüllenweber kommentiert den Rennverlauf und liefert Hintergrundmaterial zu Herrmanns Werdegang und seinem Team Malizia, aber auch zu CO2-Emissionen beim Segelsport. Er sprach mit Wissenschaftlerinnen wie Antje Boetius, mit Umweltaktivistinnen und -aktivisten und mit der Ozeanografin Sylvia Earle, die in dem Projekt „Hope Spots“ Orte der Hoffnung unterstützt. Eindringlich beschreibt der Journalist die Situation der Weltmeere: Ozeanerwärmung, illegale Fischerei, Müll, Gefahren durch Geisternetze und den Raubbau an diesem wichtigen Ökosystem. Zunehmende Stürme beeinträchtigen die CO2-Speicherfähigkeit der Meere. Kritisch wird die Rolle der Fossilindustrie beleuchtet, mit ihren Desinformationskampagnen und Angriffen auf die Klimaforschung.
Den Autoren gelang ein Buch, das sowohl Segelfans als auch Menschen anspricht, die sich für die großen Umweltprobleme unserer Zeit interessieren.
Rezension: Petra Wiemann
Boris Herrmann, Walter Wüllenweber
Die Welt unter meinem Boot
C.Bertelsmann Verlag. 336 S. 26 €





