Bernd Greiner zieht zehn Jahre nach den Ereignissen ein erstes Resümee. Er beschreibt das Entstehen von al-Kaida und führt in die Gedankenwelt von Osama Bin Laden ein. Greiner erinnert daran, dass sich al-Kaida aus Kämpfern rekrutierte, die einst vom Westen im Kampf gegen die so-wjetische Besatzung Afghanistans hofiert und mit Waffen ausgestattet worden waren. Während sich zahlreiche Staaten Ende 2001 dem Schlag gegen das Talibanregime in Afghanistan anschlossen, traf der von den USA geplante Feldzug gegen den Irak im März 2003 bekanntermaßen auf eine entschiedene Kritik von Staaten wie Deutschland und Frankreich. Anders als die Bush-Administration sahen die Regierungen in Berlin und Paris im Angriff auf den Irak keinen Beitrag zur Beseitigung des Terrorismus.
Die letzten beiden Kapitel des Buchs sind den innen- und außenpolitischen Folgen des Terrorangriffs in den USA gewidmet. Greiner kritisiert die Administration von Präsident George Bush, Jr. für ihre aggressive Außenpolitik, für die Anmaßung politischer Vorrechte gegenüber dem Kongress, für die Einrichtung von Sondertribunalen und für die Einschränkung von Freiheitsrechten. Bush – für Greiner ein religiöser Fanatiker, der ähnlich wie Osama Bin Laden glaubt, Gottes Willen zu kennen –, Vizepräsident Richard Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld haben danach die Anschläge vom 11. September als willkommene Gelegenheit genutzt, um eine amerikanische Vorherrschaft im Mittleren Osten durchzusetzen.
Der Fokus des Buchs auf der Kritik an der US-Regierung ist legitim (und auch schon von amerikanischen Autoren wie Vincent Bugliosi und Jack Goldsmith geäußert worden), entspricht jedoch nicht unbedingt der Erwartungshaltung eines deutschen Lesers an ein Buch über die Folgen des 11. September. Denn auch bei uns hat der Tag seine Spuren hinterlassen. Die Bundeswehr steht noch immer in Afghanistan, und die „Sauerland-Gruppe“ hatte ein Massaker geplant, das glücklicherweise hat verhindert werden können.
Rezension: Prof. Dr. Georg Schild




