Reich bebildert, geraten die Ereignisse zwischen zweitem Triumvirat und dem Fall Alexandrias durch die Schilderung von David Stuttard und Sam Moorhead zum Polit-Thriller, in dem die Charakterisierung der Handelnden einen zentralen Platz einnimmt: Kleopatra als vorsichtige Diplomatin und scharfsinnige femme fatale, der ihr verfallene Antonius als charismatischer, aber manisch-depressiver Heißsporn und Octavian als skrupelloser Politiker und brillanter Stratege. Besonderen Raum geben die Autoren dem Propagandakrieg, in dem mythische Stoffe sowohl zur eigenen Legitimation als auch zur Diskreditierung der Gegenseite eingesetzt wurden. Zwischen wortreichen Beschreibungen von Städten, Schlachten und Festen werden Erläuterungen zu römischen Alltagsphänomenen wie den Triumphzügen oder dem verwendeten Kalender eingewoben. Trotzdem empfiehlt sich zur Lektüre ein grundlegendes Vorwissen oder zumindest ein Nachschlagewerk in Reichweite: Begriffe wie die Schlacht von Pharsalos oder die Euripidischen Bakchen werden ohne beigefügte Erklärungen verwendet, und die antiken Geschichtsschreiber häufig ohne Bemerkungen zu zeitlichem Kontext und politischer oder moralischer Motivation zitiert. Die aufgestellten Thesen, angeführten Truppenzahlen bei Schlachtbeschreibungen und umfangreichen Charakterisierungen der Hauptfiguren sind darüber hinaus oft nicht ausreichend oder gar nicht belegt.
Zur Verwendung in geschichtswissenschaftlichen Arbeiten ist „31. V. Chr. – Antonius, Kleopatra und der Fall Ägyptens“ zu lückenhaft nachgewiesen. Dies scheint jedoch gar nicht die Intention gewesen zu sein. Stuttard und Moorhead gelingt eine packende Darstellung dieser Zeit, die den Ruinen Roms und Alexandrias neues Leben einhaucht und den Leser bis zum Schluss an ihren Streifzug durch das untergehende Ägypten fesselt.
Rezension: Alexander Tullius




