Trotz des Unterbaus aus Veteranenerinnerungen und Kriegsberichten bleibt „1813 – Der Rekrut“ ein Roman: Die historische Genauigkeit tritt hinter die Dramaturgie zurück. So begegnet Bertha auf dem Schlachtfeld von Großgörschen zufällig sowohl Blücher als auch Napoleon, letzterem sogar gleich zweimal. Interessante Details, wie der Versuch Berthas, der Konskription durch das Trinken einer ganzen Flasche Essig zu entgehen oder die Darstellung von sogenannten Konskriptionsziehungen – der Vorgehensweise beim Auslosen der einzuziehenden Rekruten – könnten jedoch durchaus historische Realität abbilden und verhelfen dem Hörbuch zu seiner dichten Atmosphäre. Einen unmittelbareren Einblick bietet der Roman in die Mentalität republikanischer französischer Kreise um das Jahr 1864: Besonders seine geradezu antimilitaristische Botschaft und die Frage, wann ein Krieg gerechtfertigt ist und wann nicht, sind vor dem Hintergrund des heraufziehenden Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 bemerkenswert.
Rezension: Alexander Tullius




