Das Konzept der 15-Minuten-Stadt stammt vom französischen Stadtplaner Carlos Moreno. Es beschreibt eine Stadt, in der Alltag, Arbeit, Einkauf und Freizeit eng beieinander liegen. Das Ziel: Von der eigenen Haustür aus sollen alle wichtigen Ziele des täglichen Lebens in maximal 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sein. Solche funktionell durchmischten Stadtviertel mit kurzen Wegen sollen die Lebensqualität steigern, den Verkehr reduzieren und nachhaltige Mobilität fördern. Doch wie verbreitet sind 15-Minuten-Städte bereits in Deutschland?
Wie weit ist Deutschland?
Forschende um Björn Schwarze von dem Dortmunder Beratungsunternehmen S&W Stadt- und Regionalforschung haben nun die erste umfassende Bestandsaufnahme zur 15-Minuten-Stadt in Deutschland durchgeführt. Dazu untersuchten sie systematisch alle deutschen Kommunen und erfassten dabei 24 typische Einrichtungen des täglichen Lebens – von Supermärkten und Kitas über Arztpraxen und Schulen bis hin zu Spielplätzen, Grünflächen, Restaurants und Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs.
Als Maßstab für die Erreichbarkeit diente die durchschnittliche Gehgeschwindigkeit eines Erwachsenen. Zusätzlich berücksichtigte ein spezieller Index aber auch die Gehgeschwindigkeiten von älteren Menschen und Kindern. Für seltener aufgesuchte Ziele wie Schwimmbäder, Bibliotheken oder Fachärzte, die meist nur an wenigen Standorten zu finden sind, berechneten die Forschenden die Erreichbarkeit mit dem Fahrrad. So entstand ein detailliertes Bild davon, wie gut die Alltagsziele in deutschen Städten und Gemeinden tatsächlich erreichbar sind.
Kurze Wege sind weiter verbreitet als gedacht
Das überraschende Ergebnis: Die 15-Minuten-Stadt ist in Deutschland deutlich weiter verbreitet als bislang angenommen, wie Schwarze und seine Kollegen berichten. Im Durchschnitt erreichen Menschen hierzulande etwa drei Viertel der wichtigsten Einrichtungen des Alltags innerhalb von 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Besonders beeindruckend: In den am besten bewerteten Städten liegen diese Ziele sogar oft nur sechs bis acht Minuten entfernt. Das ist etwa in Frankfurt am Main, Mannheim, München oder Karlsruhe der Fall.
Doch nicht nur Großstädte konnten in der Auswertung punkten. Auch viele kleine und mittelgroße Städte bieten bereits heute kompakte Strukturen, die kurze Wege ermöglichen. „Es ist ein Irrtum, dass kurze Wege nur in großen oder hippen Stadtteilen möglich sind“, betont Brigitte Adam vom Bundesinstitut für Stadt- und Raumforschung, das ebenfalls an der Studie beteiligt war. „Unsere Daten belegen, dass funktional durchmischte Quartiere mit kurzen Wegen auch in Großwohnsiedlungen oder Gartenstädten möglich sind.“ Jenen Städten, die eine Viertelstunden-Infrastruktur erst noch erreichen wollen, empfehlen die Forschenden unter anderem breitere Gehwege und sichere Radwege. Dies fördert den nicht-motorisierten Verkehr und schafft Anreize für Geschäfte, Gaststätten und Co, sich im Viertel anzusiedeln. Um die Akzeptanz der Maßnahmen zu erhöhen, sollten Planer die Bürger außerdem frühzeitig einbinden und gemeinsam mit ihnen Lösungen finden.





