Eigentlich suchten Scott S. Sheppard von der US-amerikanischen Carnegie Institution of Science in Washington und seine Kollegen nach einem mutmaßlichen neunten Planeten und weiteren Objekten im äußeren Sonnensystem. 2014 entdeckten sie den fernsten bekannten Himmelskörper, der um die Sonne kreist – sowie Indizien für Bahnstörungen von ihm und anderen kosmischen Außenseitern, die durch den Schwerkraft-Einfluss eines unbekannten Planeten erklärt werden könnten. Seither fahnden sie und andere Astronomen nach diesem hypothetischen Störenfried.
Im Frühjahr 2017 beobachtete Sheppards Team mit dem 4-Meter-Blanco-Teleskop am Cerro Tololo Inter-American Observatory in Chile eine Himmelsregion, in der sich zufällig auch Jupiter befand. Sie fanden den ominösen Planet Neun nicht, fotografierten dafür aber ein Dutzend lichtschwache Objekte bei Jupiter. Zusätzliche aufwändige Beobachtungen in den nächsten Monaten bestätigten die Entdeckungen. Dabei kamen mehrere weitere Großteleskope zum Einsatz, darunter das 6,5-Meter-Magellan-Teleskop am Las Campanas Observatory in Chile, das 4-Meter-Discovery Channel Telescope am Lowell Observatory in Flagstaff, Arizona, und auf dem Mauna Kea, Hawaii, das 8-Meter-Subaru-Teleskop sowie das 2,2-Meter-Teleskop der Universität Hawaii.
Alle diese Beobachtungen ermöglichten es Gareth Williams vom Minor Planet Center der Internationalen Astronomischen Union, die Bahnen der unscheinbaren Monde zu berechnen. „Es waren viele Daten nötig, um zu bestätigen, dass die Objekte wirklich Jupiter umkreisen“, sagt Williams. „Das Ganze dauerte ein Jahr.“
Video: Roberto Molar-Candanosa, courtesy of Carnegie Institution for Science
Neun Gleichsinnige, zwei dagegen
Neun der neuen Monde sind Teil eines Schwarms, der den Gasriesen weit entfernt etwa einmal alle zwei Jahre umläuft – und zwar gegensinnig (retrograd) zu seiner Rotationsrichtung. Die Astronomen unterscheiden mindestens drei orbitale Untergruppen und vermuten, dass es sich um die Relikte von drei oder mehr größeren Monden handelt, die einst bei den Kollisionen mit Planetoiden, Kometen oder anderen Monden zerbrochen sind.
Zwei der neu aufgespürten Monde gehören zu einer Gruppe, die Jupiter in geringerer Distanz gleichsinnig (prograd) umrundet – innerhalb von weniger als einem Jahr. Sie haben alle ähnliche Bahnradien und -neigungen. Daher sind sie wahrscheinlich ebenfalls die Trümmer eines geborstenen größeren Mondes.







