Nach einer dreijährigen Reise ist der Rover Opportunity an seinem neuen Ziel angekommen, dem Rand eines 22 Kilometer großen Kraters namens Endeavour. Die Geologie der Felsen dort unterscheide sich völlig von allen bislang bekannten Marsgesteinen, gab die amerikanische Raumfahrtagentur Nasa gestern auf einer Pressekonferenz bekannt. ?Endeavour ist für uns so etwas wie eine zweite Landestelle auf dem Mars?, sagte Chefwissenschaftler Steve Squyres von der Cornell University.
Der rollende Roboter Opportunity ist bereits seit Januar 2004 auf dem roten Planeten unterwegs. Ursprünglich sollte die Mission nur drei Monate dauern, doch Opportunity und der baugleiche Roboter Spirit erwiesen sich als unerwartet langlebig. Während Spirit im März 2010 den Dienst einstellte, rollt Opportunity weiter durch eine weite Landschaft am Mars-Äquator, die Ebene Meridiani Planum. Dabei hat der Roboter insgesamt bereits 33,5 Kilometer zurückgelegt, 21 Kilometer betrug allein die Strecke vom letzten Forschungsobjekt, dem Krater Victoria, bis zu Endeavour.
Während Victoria mit einem Durchmesser von 700 Metern und einer Tiefe von 70 Meter recht überschaubar war, hat Endeavour mit 22 Kilometern Durchmesser ähnliche Ausmaße wie das Nördlinger Ries. Der Meteoriteneinschlag hat daher tiefere Schichten des Mars-Untergrundes freigelegt und verspricht neue Einblicke in die Marsgeschichte. Der große Krater ist vermutlich noch vor den schwefelreichen Ablagerungen entstanden, auf die Opportunity sonst überall gestoßen ist. An der Entstehung dieser Ablagerungen war vermutlich eine saure Salzbrühe beteiligt.
Aufnahmen der Mars-Orbiters zeigen, dass sich am Kraterrand von Endeavour Basaltgestein, aber auch Tonminerale befinden. Das Forscherteam nimmt an, dass die Tonminerale älter sind als die dicken Schwefel-Ablagerungen. Sie müssen sich in einer lebensfreundlicheren, wässrigen Umgebung gebildet haben und könnten daher neue Informationen über die feuchte Urzeit des Mars geben. Tonminerale wurden von den beiden Marsrovern bislang noch nicht untersucht.
Seit seiner Ankunft vor drei Wochen hat Opportunity einen Felsen von der Größe eines Fußbänkchens untersucht. Dabei handelt es sich um ein Auswurfgestein, dass bei einem kleineren Meteoriteneinschlag am Kraterrand aus dem Boden geschlagen wurde. Der Kraterrand von Endeavour ist relativ stark erodiert, er besteht aus einigen unterbrochenen Höhenzügen. Auf dem Weg dorthin ist Opportunity aber schon auf erste Anzeichen für die frühere Tätigkeit von Wasser gestoßen: Einige helle Adern im Gestein könnten aus Mineralien bestehen, die einst in Wasser gelöst waren und auf dem Weg durch den Fels auskristallisierten.
Mitteilung der Nasa wissenschaft.de – Ute Kehse





