Wer der Kernfusion etwas Gutes tun will, muß viel, viel Geduld und Geld mitbringen. Seit Jahrzehnten wird die Fusion von vielen als die Zukunftsenergie schlechthin gehandelt: nahezu unerschöpflich, mit hoher Energiedichte, bei geringem Sicherheitsrisiko und minimalem radioaktiven Abfall. Doch von Jahr zu Jahr rückt die technische Machbarkeit in weitere Ferne. Hofften die Experten zu Beginn der achtziger Jahre, die Fusion wäre gegen 2010 einsetzbar, so gehen heute praktisch alle davon aus, daß Fusionskraftwerke nicht vor 2050 in Betrieb gehen. Eine solche Perspektive raubt Geldgebern die Initiative: Nicht einmal auf internationaler Basis wollen sich Kooperationspartner dafür erwärmen, die Mittel für den nächsten Forschungstorus namens ITER (geschätzte Investitionskosten 13 Milliarden Mark – gut 800 Millionen Mark jährliche Betriebskosten) aufzubringen. Wie schlecht es um die Zukunftsenergie Kernfusion tatsächlich steht, enthüllt unsere bdw-Analyse ab Seite 28.
Die Anwendung der Gentechnik in der Landwirtschaft spaltet nach wie vor die Geister. Wem nutzt sie? Wem schadet sie? Die gängige – und edle – Argumentation der Industrie lautet, daß die künftige Ernährung der Menschheit nur zu gewährleisten sei, wenn alle Möglichkeiten des biologisch-technischen Fortschritts zur Ertragssteigerung herangezogen werden: also auch die Bio- und Gentechnologie. Vollkommen unedel ist dagegen das, was Sie in diesem Heft ab Seite 102 nachlesen können. Durch eine Genmanipulation, für die das US-Patent 5723765 soeben erteilt wurde, sind Saatguthersteller jetzt in der Lage, Pflanzensamen so zu trimmen, daß aus ihnen nur noch eine letzte Generation keimen kann: Verwendet der Landwirt einen Teil seiner Ernte im Jahr darauf als neues Saatgut, bleibt sein Acker unbestellt: Ein Selbstmordprogramm nimmt dem Samen jeglichen Lebenskeim. Das US-Landwirtschaftsministerium begrüßt diese Entwicklung: Nur so – lautet dessen Statement – rentiere sich das Geld, das Saatgutkonzerne in die Entwicklung neuer Hochleistungspflanzen stecken. Daß im Bürger- und Bauernstaat erneuter Unmut über die Bio- und Gentechnologie ausbre-chen wird, kann niemanden verwundern (dazu auch “Argumente” auf Seite 12).
Als Redakteur der Weltwoche in Zürich ärgerte sich der promovierte Germanist Georg Gerster ein ums andere Mal über miese Fotos, mit denen er seine Artikel bebildern mußte. Diesem Frust verdankt die Welt einen ihrer profiliertesten Luftbildfotografen. Schon 1956 rückte der Schweizer seinen Redaktionsstuhl endgültig beiseite und entwickelte sich zu einem freien Fotografen, der seine phantastischen Einblicke nicht nur guten Augen und zuver-lässigen Piloten verdankt (im Bild: Gerster mit Kameras und einem Hubschrauberpiloten), sondern auch den hervorragenden Beziehungen zu den Mächtigen, die für ihn den Luftraum über Iran, Irak oder Syrien freimachten. Für die Fotoreportage über die 5000jährigen Monumente im heutigen Syrien (Seiten 80 bis 89), die vor wenigen Monaten entstand, erwarb bild der wissenschaft die Exklusivrechte im deutschen Sprachraum. Dies gelang uns nicht zuletzt deshalb, weil den bdw-Redakteur für Archäologie, Michael Zick, seit vielen Jahren eine lockere Freundschaft mit Gerster, dem heute70jährigen, verbindet: Eine Verbindung übrigens, die bereits mehrfach zum Vorteil unserer Leser genutzt wurde.
Wolfgang Hess





