Das europäische Weltraumteleskop Euclid ist im Juli 2023 ins All gestartet, um die „dunkle Seite” unseres Universums zu erforschen: Dunkle Materie und Dunkle Energie. Dafür kartieren die beiden Instrumente des Teleskops die Position, Struktur und Bewegung von Galaxien, Quasaren und anderen Himmelsobjekten bis in zehn Milliarden Lichtjahre Entfernung. Euclids Besonderheit dabei: Das Teleskop kann einen großen Himmelsausschnitt in nur einem Durchgang, aber dennoch hochaufgelöst abbilden.
Diffuser Lichtstreif in 16 Euclid-Aufnahmen
Keineswegs dunkel oder weit entfernt ist jedoch eine Zufallsentdeckung, die Astronomen um Mikko Pöntinen von der Universität Helsinki jetzt in Aufnahmen des Euclid-Teleskops gemacht haben. Sie probierten eine neu entwickelte Software aus, die nach Spuren von Vordergrundobjekten in den Euclid-Aufnahmen sucht. Dabei wurden sie fündig: „Ich war begeistert, als meine Software eine Spur entdeckte, die sich über mehrere Aufnahmen erstreckte – das Ergebnis eines sich schnell bewegenden Objekts“, berichtet Pöntinen.

Der neu entdeckte Komet C/2026 S1 (Euclid) erscheint in den Euclid-Aufnahmen als längliche Lichtspur. Das verrät, dass es sich um ein schnell fliegendes Vordergrundobjekt handelt. — © ESA/ Euclid, Euclid Consortium/NASA, M. Pöntinen et al. 2026, CC-by-sa 3.0 IGO
Weitere Bilder bestätigten den Fund: Das sich schnell bewegende Objekt war in insgesamt 16 Euclid-Aufnahmen aus der Zeit vom 16. bis 24. September 2026 zu erkennen. Daraufhin glichen die Astronomen Position und Flugbahn des Objekts mit Katalogen bekannter Kometen und Asteroiden ab, fanden aber keinen Himmelskörper, der zu ihrem Fund passte. Es musste sich demnach um ein noch unerkanntes Objekt handeln. „Eine genauere Analyse ergab, dass es von einer diffusen Wolke umgeben war – das spricht für ein aktives Objekt wie einen Kometen“, erklärt Pöntinen.
Was ist vom neuen Kometen bekannt?
Die Astronomen meldeten ihre Entdeckung daraufhin dem Minor Planet Center der Astronomischen Union, woraufhin auch andere Astronomen mit erdbasierten Teleskopen nach dem Kometenkandidaten Ausschau hielten. Nachdem auch sie das Objekt sichten konnten, wurde der neuentdeckte Komet nun offiziell anerkannt. Er hat den Namen C/2026 S1 (Euclid) erhalten.
Der neu entdeckte Komet C/2026 S1 (Euclid) befindet sich zurzeit 1,3 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, das entspricht etwa einem Abstand halbwegs zwischen Jupiter und Saturn. Allerdings kreist der Komet nicht in der Bahnebene der Planeten, sondern fast senkrecht dazu. Er folgt einer Flugbahn, die ihn im Laufe von tausenden Jahren in einem stark geneigten, exzentrischen Orbit um die Sonne führt. Wie lang der Komet für einen Umlauf benötigt, wie groß er ist oder wie er zusammengesetzt ist, ist noch unbekannt. Das müssen nun weitere Beobachtungen klären.
Warum der Kometenfund unerwartet war
Für das Euclid-Teleskop ist dieser Komet ein unerwarteter Zufallsfund, denn eigentlich schaut es gezielt nur in die Richtungen, in denen besonders wenige Sonnensystemobjekte unterwegs sind: Das Teleskop durchmustert nur Himmelsbereiche, die deutlich über oder unter der Planetenebene liegen. Denn diese ist zu stark mit Staub und Störreflexionen erfüllt, um klare Aufnahmen aus dem fernen All zu erlauben, wie die Astronomen erklären. Die Entdeckung eines neuen Kometen kam daher eher unerwartet.
„Euclid wird voraussichtlich nur sehr wenige Kometen sehen, daher war es ein glücklicher Zufall, dass Euclids Durchmusterungsplan und die Bahn dieses Kometen zusammenpassten“, sagt Bruno Altieri von der Euclid-Kollaboration. „Das Teleskop konnte ihn dadurch in gleich mehreren Aufnahmen abbilden.“
Quelle: European Space Agency





