Das Auftreten größerer Eisinseln, die vom Eisschelf der Antarktis abbrechen, hat sich seit Ende der 70er Jahre nicht gehäuft. Das zeigt eine neue Analyse von Satellitendaten, berichtet David Long von der Brigham Young University in der Zeitschrift “Eos”.
Demnach ist die Zahl der Eisberge bis etwa Mitte der 90er Jahre im Großen und Ganzen konstant geblieben. Dass das amerikanische National Ice Center in den letzten Jahren einen drastischen Anstieg registrierte, sei auf verbesserte Suchmethoden zurückzuführen, berichtete Long in der Wochenzeitschrift der American Geophysical Union. Die früher verwendeten Methoden, um Eisberge mit einer Kantenlänge von mehr als 16 Kilometern zu zählen, seien so ungenau gewesen, dass viele übersehen wurden.
Long setzte neuartige Bildbearbeitungsmethoden ein, um die Satellitenbilder besser auswerten zu können. Er benutzte dazu Daten des US-Satelliten Quikscat. Ein Instrument an Bord des Satelliten misst per Radarstrahlen die “Rauigkeit” der Meeresoberfläche, wodurch Windrichtung und Windgeschwindigkeit ermittelt werden können. Long gelang es, die Daten so zu bearbeiten, das auch größere Eisberge verfolgt werden können. Da Radarstrahlen im Gegensatz zu sichtbarem Licht Wolken durchdringen können, lassen sich die Eisberge durch Longs Methode auch bei schlechtem Wetter verfolgen.
Long sagte, seine Studie sei weder ein Beweis für noch gegen die globale Erwärmung. Auch sei nicht auszuschließen, dass künftig tatsächlich mehr Eisberge abbrechen, wenn es in der Antarktis wärmer wird. Allerdings gibt es auch natürliche Zyklen bei der Produktion von Eisbergen: Alle 40 bis 50 Jahre sind die schwimmenden Schelfeise der Antarktis so weit angewachsen, dass sie instabil werden und größere Stücke abbbrechen.
Ute Kehse





