
Kontrollraum Ligo-Detektor, Livingston, Lousiana (Foto: Thomas Bührke)
Am 21. August 2017 verfinsterte sich um die Mittagszeit der Himmel über den USA von Oregon bis South Carolina. Aus Anlass dieses kosmischen Spektakels hat sich bild der wissenschaft einen Platz im Kernschatten gesucht, um zusammen mit Lesern die SoFi 2017 zu bestaunen. Nach dem ersten Halt am Panama-Kanal sind die Leser weiter in die USA gereist. Nächster Stopp ist Livingston in Louisiana, der Standort des Ligo-Detektors, mit dem erstmals die Gravitationswellen direkt gemessen wurden. Unser Autor Thomas Bührke ist dabei und berichtet.
Es war ein kleines Zittern des Raumes, aber ein großes Beben in der Physik. Am 14. September 2015 war eine Gravitationswelle über die Erde hinweggerast. Kein Mensch hatte etwas davon bemerkt, nur zwei Messinstrumente namens Ligo (Laser-Interferometer Gravitationswellen-Observatorium) in den USA registrierten eine kurzzeitige Verbiegung des Raumes – genauer: der Raumzeit. Es bedarf keiner prophetischen Gabe zu behaupten, dass der nächste Physiknobelpreis für diese Entdeckung vergeben werden wird. Unsere Gruppe bekam die einzigartige Gelegenheit, den Ligo-Detektor in Livingston, Louisiana, zu besichtigen und den Wissenschaftlern bei ihrer spannenden Forschung über die Schultern zu schauen.
Den letzten Teil der Zufahrtstraße muss unser Bus im Schritttempo zurücklegen, auf dem Parkplatz angekommen, darf er gar nicht mehr bewegt werden. Jede mögliche Erschütterung des Laborgeländes muss vermieden werden, um die empfindlichsten, jemals von Menschen gebauten Messinstrumente nicht zu beeinträchtigen.
Die Geburt einer Gravitationswelle
In zwei Vorträgen erklären uns Physiker, was passiert war. Vor 1,3 Milliarden Jahren stießen irgendwo im Universum zwei Schwarze Löcher zusammen. Ein kosmischer Crash ohnegleichen, doch kein Lichtblitz oder ähnliches zeugte hiervon. Lediglich eine Gravitationswelle wurde ausgesandt. Sie brachte die Raumzeit zum Zittern und breitete sich mit Lichtgeschwindigkeit in alle Richtungen aus. Bei diesem nur zwei Zehntelsekunden lang dauernden Ereignis trug die Gravitationswelle einige zehn Mal mehr Energie fort, als alle Sterne im Universum in diesem Zeitraum in Form von Licht und anderen elektromagnetischen Welle abgestrahlt haben. Es war zu diesem Zeitpunkt das mit Abstand energiereichste Ereignis im Kosmos.

Störsignale, Ligo-Kontrollraum (Foto: Thomas Bührke)






