von DIRK EIDEMÜLLER
Immer kleiner, immer schneller, immer heißer: So könnte man in wenigen Worten die Entwicklung der Computertechnik der letzten Jahrzehnte beschreiben. Die heutigen Handys haben ein Vielfaches der Rechenleistung, die den Astronauten bei der Mondlandung zur Verfügung stand.
Aber irgendwann setzt die Physik harte Grenzen: Die Größe von Transistoren lässt sich nicht beliebig verkleinern, und die Verlustwärme von Chips begrenzt die maximale Rechengeschwindigkeit.
Schon seit einiger Zeit werden deshalb neuartige Konzepte entwickelt, um elektronische Komponenten künftig nach anderen Prinzipien zu bauen. Ein spannender Kandidat hierfür sind die Skyrmionen. Diese mikroskopisch kleinen, magnetischen Wirbelstrukturen bilden sich in bestimmten Festkörpern und bestehen aus den Magnetfeldern atomarer oder molekularer Elementarmagnete.
Man kann sich die Magnetnadeln der Skyrmionen wie die Stacheln eines Igels vorstellen, die wirbelförmig gekämmt sind. Skyrmionen sind aber keine gewöhnlichen Wirbel, sondern Quasiteilchen: Aufgrund ihrer verschlungenen Magnetfelder sind sie hochgradig stabil – im Fachjargon: topologisch geschützt. Das heißt, ihre Form ist fixiert und dadurch robust gegenüber äußeren Störungen. Dadurch wären sie als Informationsträger in Speicherchips geeignet.
Die Wissenschaft der Wirbel
Noch steckt die Skyrmionik, wie das Fachgebiet zu ihrer Erforschung mittlerweile genannt wird, in den Kinderschuhen. „Es gibt mehrere Typen von Skyrmionen mit unterschiedlichen Eigenschaften“, sagt Toni Helm, der am Hochfeld-Magnetlabor des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) eine Forschungsgruppe leitet. In einer umfangreichen Studie haben er und sein Team Antiskyrmionen untersucht. „Das ist ein spezieller Typ von Skyrmionen, der unterschiedliche Magnetwirbel in sich vereinigt.“
Antiskyrmionen weisen im Unterschied zu Skyrmionen kein äußeres Magnetfeld auf. Sie haben zwar eine innere magnetische Struktur, aber nach außen hin sind sie magnetisch neutral – ihre Netto-Magnetisierung ist null. Das macht sie einerseits unempfindlicher gegen äußere Störungen, andererseits sind sie schwieriger zu detektieren und zu manipulieren.
„Gegenwärtig wird deshalb intensiv daran gearbeitet, Antiskyrmionen besser in den Griff zu bekommen“, sagt Helm. „Einerseits wollen wir sie einfacher nachweisen und anderseits gezielt beeinflussen.“ Die Grundlagenforschung zu diesen winzigen Magnetwirbeln ist noch enorm aufwändig: „Um Antiskyrmionen überhaupt sichtbar zu machen und ihre Eigenschaften zu erforschen, muss man die entsprechenden Materialien in großen Transmissionselektronenmikroskopen oder im Neutronenstrahl von Forschungsreaktoren untersuchen.“ Weil die Forschungszeit an solchen Einrichtungen begrenzt ist, gibt es auch weniger Experimentiermöglichkeiten.





