Bereits seit der Antike galt den Mächtigen und Reichen in aller Welt der Besitz wilder Tiere als besonderer Luxus. Verschiedene dieser “bestiae” verkörperten im Verständnis der Menschen Macht und Herrschaft: Löwen oder Adler etwa wurden als Majestäten des Tierreichs angesehen und waren daher – nicht nur als Wappentiere – ein echtes Statussymbol. Es zeugte von der Größe eines Herrschers, daß man an seinem Hof solch wilde, majestätische Tiere zu zähmen wußte. Vielfach, auch daran sei erinnert, hatten exotische Tiere sogar einen direkten, praktischen Nutzen für ihren Herrn: Greifvögel etwa dienten als Jagdgefährten; Wildkatzen und Bären fanden als Zirkusakteure sowohl zur Belustigung der Untertanen als auch zur grausamen Hinrichtung von Delinquenten und anderen unliebsamen Personen Verwendung. Auch an deutschen Herrscherhöfen war das Halten wilder Tiere beliebt. Kuriose Skizzen der Tierwelt süddeutscher Fürstenhöfe in der frühen Neuzeit enthalten einige im Museum Correr in Venedig aufbewahrte Augenzeugenberichte venezianischer Gesandter, die mit diplomatischen Missionen in Bayern und Österreich betraut waren. An den meisten oberdeutschen Fürstenhöfen dürfte es – aus zoologischer Sicht – ähnlich bodenständig zugegangen sein, wie am Hof Erzherzog Ferdinands von Tirol: Als die venezianischen Botschafter Michiel und Donà den Erzherzog, Sohn Kaiser Ferdinands I. und Neffen Karls V., 1577 in der Innsbrucker Hofburg sowie im nahegelegenen Schloß Ambras beehrten, gewährte ihnen ihr Gastgeber, ein begeisterter Sportsmann und passionierter Jäger, Einblick in seinen privaten Tierpark: “Er hat große umzäunte Parks mit allen Arten von Wild wie etwa Hirschen, Böcken, Rehen, Hasen, Kaninchen und gleichfalls mit allen Arten von Vögeln, … insbesondere Fasanen.” Vor allem erstaunte die Venezianer, wieviele Exemplare jeder Tierart er in seinen Parks hegte. So schätzten die Diplomaten, die Erzherzog Ferdinand “selbst durch die Parks führte”, in den Voilleren halte man “sicherlich an die 1.500 und mehr” Fasanen. Eine solche Menge konnte selbst in der größten und lustigsten Jagdpartie kaum zur Strecke gebracht werden… Daneben gab es in den Freigehegen und Forsten rund um Schloß Ambras “eine große Menge wilder Tiere wie Bären und Wildschweine”. Mit Bewunderung bemerkten die venezianischen Gäste, daß Ferdinand von Tirol auch “eine große Menge Gemsen” hielt, “etwas, das es höchstens an ganz wenigen anderen Orten und vielleicht nirgends sonst gibt”. Dabei gab es im erzherzöglichen Tierpark lediglich Arten der heimatlichen Tiroler Fauna zu sehen. Ferdinand hegte in seinen Gattern keine Tiere, die nicht auch sonst im Alpenraum beobachtet werden konnten. Die Tierhaltung war hier aufs engste mit der Waidleidenschaft verknüpft. Im Zeitalter der Renaissance hatte sich jedoch an den Höfen der Wittelsbacher und Habsburger unabhängig davon auch eine gesteigerte Nachfrage nach fremdartigen Lebewesen aus fernen Gegenden ausgebreitet. Als Gastgeschenke etwa waren exotische Tiere bei den süddeutschen Herrscherfamilien äußerst begehrt und gerne gesehen. Sehr exotische Haustiere werden denn auch im Reisebericht der Sondergesandten Pisani und Contarini genannt. Die Diplomaten waren im Auftrag des Dogen 1492 zu Kaiser Friedrich III. aufgebrochen und machten am Hof des Bayernherzogs in München Station. Bereits aus der Ferne vermittelte ihnen die herzögliche Residenz einen ersten Eindruck des zoologischen Interesses der Wittelsbacher: “Neben dem Hoftor sind drei Löwen in zwei Käfigen untergebracht”, schreiben die Venezianer in ihrem Reisebericht. Die Löwen seien”schön anzuschauen”. Immerhin befanden sich die Raubkatzen ja in Käfigen und konnten demjenigen, der sich dem Stadtschloß näherte, nicht gefährlicher werden als jeder gemeine Kettenhund auch. Weit nachhaltiger wirkte die Präsenz weiterer Großkatzen im Innern der herzoglichen Residenz: Auch “im Hofe schließlich befinden sich zwei Löwen”. Diese waren “wesentlich größer” als die am Eingang zur Schau gestellten Exemplare und wurden weder durch Gitterstäbe noch durch Ketten von Bewohnern und Besuchern des Schlosses ferngehalten. “Sie laufen zwischen den Personen hin und her”, schildern die Venezianer ihr unheimliches Münchner Erlebnis. Zum Glück waren die Wildkatzen gut dressiert und”im Umgang mit jedem sehr zahm”…





