Frith breitet vor der skeptischen Gelehrten die ganze Fülle der verblüffenden Leistungen des Gehirns aus, das die Flut der Sinnesreize im Hintergrund effizient verarbeitet und dabei Wahrnehmungen erzeugt, die keineswegs immer der Wirklichkeit entsprechen: Wir nehmen nicht wahr, was existiert, sondern das, was unser Gehirn daraus erschafft. Wir wissen auch nicht immer, was wir tun. Und vor allem tun wir nicht, was wir wollen, sondern wir wollen vielmehr das, was wir tun. So lässt sich experimentell beweisen, dass Handlungen im Gehirn vorbereitet werden, bevor die bewusste Entscheidung dazu fällt.
Das widerspricht Vorstellungen, nach denen uns ein bewusstes Ich durch die Welt navigiert. Für das Bewusstsein bleibt sehr wenig zu tun übrig, schreibt Frith, aber es ist für uns offenbar von Vorteil, uns als freie Akteure zu empfinden. Dass sich Menschen als moralisch verantwortlich wahrnehmen, könnte eine Voraussetzung dafür sein, dass sie miteinander kooperieren und sich geistig austauschen. Damit schlägt Frith eine Brücke zu seiner geisteswissenschaftlichen Kollegin, die sich am Ende geschlagen geben muss.
Antonia Rötger





