Zum Inhalt springen
Bild der Wissenschaft
AnmeldenAbonnieren
  • Astronomie & Physik
  • Erde & Umwelt
  • Archäologie
  • Gesundheit & Medizin
  • Technik & Digitales
  • Gesellschaft & Psychologie
  • Rezensionen
  • Podcast
  • BDW Plus
Bild der Wissenschaft
  • Astronomie & Physik
  • Erde & Umwelt
  • Archäologie
  • Gesundheit & Medizin
  • Technik & Digitales
  • Gesellschaft & Psychologie
  • Kolumnen
  • Nachgefragt
  • Rezensionen
  • Podcast
  • Lexikon
Wissenschaft-Newsletter
Die wichtigsten Entdeckungen der Woche direkt in Ihr Postfach.

Leserservice

  • Probeabo
  • Einzelheftverkauf
  • BILD DER WISSENSCHAFT Marktplatz

Unsere Partner

  • Fraunhofer IPA
  • Leibniz-Institut ifl
  • wissen.de
  • ScienceBlogs
  • experimenta
  • Wissenschaftspodcasts

Info

  • AGB
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Barrierefreiheit
  • Vertrag widerrufen
  • Datenschutzeinstellungen

Kontakt zur Redaktion

BILD DER WISSENSCHAFTErnst-Mey-Str. 8
70771 Leinfelden-Echterdingen

Tel: +49 (0)711 7594-392
E-Mail: wissenschaft@konradin.de
Folgen Sie uns
Konradin Mediengruppedamals.denatur.de
© 2026 Bild der Wissenschaft
Startseite/Erde & Umwelt/Artikel
Wie umweltfreundlich sind Insektenfarmen wirklich?
Erde & Umwelt

Wie umweltfreundlich sind Insektenfarmen wirklich?

Mehlwürmer und andere Insekten gelten als umweltfreundlichere Alternative zu Fleisch von Säugetieren oder Geflügel. · Foto: ollo/ iStock

Insekten gelten oft als nachhaltige Eiweißquelle der Zukunft. Ein neuer Bericht stellt diese Einschätzung nun infrage: Wie klimafreundlich Insektenfarmen wirklich sind, hängt demnach stark davon ab, wie und wo die Tiere gezüchtet werden, womit sie gefüttert werden und ob sie tatsächlich Fleisch ersetzen.
Autor
Redaktion
10. Juni 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Proteine aus Insekten statt Fleisch: Diese Idee von Insekten als Superfood der Zukunft gilt seit Jahren als mögliche Lösung für eine klimafreundlichere Ernährung. Denn anders als Rinder, Schweine, Geflügel oder andere Lieferanten tierischen Proteins brauchen Insekten wenig Platz, wachsen schnell und können mit Bioabfällen gefüttert werden. Ein neuer Bericht zeigt jetzt aber: So eindeutig ist die Sache nicht.

Gemischte Umweltbilanz

Für ihren Report haben Cleo Verkuijl vom Stockholm Environment Institute (SEI) und ihre Kollegen untersucht, wie umweltfreundlich industrielle Insektenfarmen in reichen Ländern mit gemäßigtem Klima wirklich sind, also etwa in Europa und Nordamerika. Ihr Ergebnis: Die Umweltbilanz schwankt stark. “Nach aktueller Datenlage ist der ökologische Nutzen deutlich weniger eindeutig, als oft angenommen wird“, sagt Co-Autor Camilo Garzón vom SEI. Entscheidend ist demnach vor allem, wie viel Energie die Anlagen brauchen, welches Futter eingesetzt wird und welches Produkt die Insekten am Ende tatsächlich ersetzen.

Konkret ergaben die Analysen: Zwar ist der Flächenverbrauch der Insektenzucht im Allgemeinen gering, liegt jedoch in manchen Fällen auf einem ähnlichen Niveau wie Sojaschrot oder übersteigt dieses sogar. Das ist dann der Fall, wenn Insekten nicht mit organischen Abfällen gefüttert werden, sondern mit frischen Pflanzen. Die Fütterung mit Abfällen ist in der Praxis jedoch oft schwierig und scheitert im großen Maßstab häufig an rechtlichen Vorgaben. Der Wasserverbrauch ist je nach Insektenart ebenfalls unterschiedlich, allerdings gibt dazu laut Bericht nur wenige belastbare Daten.

Bei den Treibhausgasemissionen schneiden Insekten in gemäßigten Regionen mit im Schnitt 13,5 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Kilogramm Protein zwar besser ab als Rindfleisch mit 75 bis 170 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Kilogramm Protein. “Die höchsten Emissions-Niveaus bei den Insekten liegen aber nahe an den oberen Werten für Geflügel“, berichten Verkuijl und ihre Kollegen.

Insekten landen oft nicht direkt auf dem Teller

Wichtig ist außerdem, womit das Insektenprotein verglichen wird: In der Praxis ersetzt Insektenmehl häufig nicht das von uns Menschen verzehrte Fleisch, sondern meist Sojamehl oder Fischmehl im Tierfutter. Diese Produkte haben jedoch oft eine niedrigere Klimabilanz als viele Insektenprodukte. Zudem benötigen viele gezüchtete Insekten warme Bedingungen. In kühleren Regionen müssen die Anlagen deshalb häufig beheizt werden. Wird dafür kein erneuerbarer Strom genutzt, kann sich die Klimabilanz deutlich verschlechtern, wie die Forschenden berichten.

Viele der gezüchteten Insekten landen auch gar nicht auf unseren Tellern. Wo Insektenbestandteile in Lebensmitteln vorkommen, etwa in Pasta oder Brot, ergänzen sie Fleisch oft eher, als es wirklich zu ersetzen, wie Verkuijl und ihre Kollegen erklären. Außerdem geht ein erheblicher Teil der Produktion in Futtermittel für landwirtschaftlich gehaltene Landtiere und Aquakulturen. „Statt eine alternative Proteinquelle darzustellen, spiegelt und verstärkt das Insektenfarming oft viele der Probleme in der konventionellen Tierhaltung“, schreiben die Forschenden. Sie verweisen zudem auf mögliche ökologische Risiken, etwa wenn gezüchtete Insekten unbeabsichtigt entkommen. Dazu stellen sich ethische Fragen, weil es zunehmend Hinweise darauf gibt, dass Insekten empfindungsfähig sein könnten.

Insektenzucht steht unter Druck

Diese Resultate bedeuten aber nicht, dass Insekten keine gute Alternative zu anderen tierischen Proteinlieferanten sind: Tropische Länder und Länder mit niedrigerem Einkommen könnten dem Bericht zufolge grundsätzlich günstigere Voraussetzungen für die Insektenzucht bieten. Denn dort wird weniger Energie für das Heizen der Anlagen benötigt und organische Reststoffe sind besser verfügbar. Belastbare Daten hierzu fehlen bislang jedoch, wie das Team erklärt. In unseren Breiten wird die Insektenzucht hingegen durch die durchwachsene Umweltleistung zunehmend infrage gestellt und gerät auch wirtschaftlich immer mehr unter Druck.

„Wenn die Insektenproduktion hauptsächlich andere Tiere füttert, ohne den Fleischkonsum zu senken, sollten sich politische Entscheidungsträger fragen, ob diese Investitionen unser Ernährungssystem verändern oder es lediglich stabilisieren“, sagt Verkuijl. Die Forschenden empfehlen, dass Politik und Investoren die alternativen Proteine fördern sollten, wenn Daten belegen, dass sie wirklich umweltfreundlicher sind und der Fleischkonsum verringert werden kann.

Quelle: Stockholm Environment Institute; Fachartikel: SEI report, doi: 10.51414/sei2026.010

Mehr aus Erde & Umwelt

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Erde & Umwelt.

Alle Erde & Umwelt-Artikel
Arktische Flussdeltas – unterschätzte Akteure im Kohlenstoffkreislauf
Erde & Umwelt

Arktische Flussdeltas – unterschätzte Akteure im Kohlenstoffkreislauf

15. Juni 2026

Arktische Flussdeltas speichern überproportional viel Kohlenstoff im Permafrost ihrer gefrorenen Böden – und sind daher unterschätzte…

Geschenk aus der Tiefsee: Neue Krebsfamilie entdeckt
Erde & Umwelt

Geschenk aus der Tiefsee: Neue Krebsfamilie entdeckt

12. Juni 2026

Die Lebenswelt der Tiefsee ist noch kaum erforscht. Jetzt haben Meeresbiologen im Nordatlantik eine bislang unbekannte Familie von…

Unterirdische Wurzelpilz-Netzwerke sind Billiarden Kilometer lang
Erde & Umwelt

Unterirdische Wurzelpilz-Netzwerke sind Billiarden Kilometer lang

12. Juni 2026

Verborgene Netzwerke: Die mit Pflanzenwurzeln verbundenen Mykorrhiza-Pilze bilden ein gigantisches, weltumspannendes Geflecht. Insgesamt…

Jahrhundert-Sturmfluten ereignen sich heute alle acht Jahre
Erde & Umwelt

Jahrhundert-Sturmfluten ereignen sich heute alle acht Jahre

12. Juni 2026

Extreme Sturmfluten ereignen sich heute zwölfmal häufiger als noch im Jahr 1900, wie neue Analysen zeigen. Demnach traten solche…

← Zurück zu Erde & UmweltZur Startseite