Wie sie feststellten, wird die gesamte so genannte Lithosphärenplatte deformiert. Durch die Spannung werden Olivinkristalle schon bei relativ niedrigen Temperaturen umkristallisiert. Schon bei 500 bis 600 Grad Celsius wachsen die Kristalle parallel zur Richtung der Spannung, so dass sich die Geschwindigkeit der seismischen Wellen parallel und senkrecht zur Spannungsrichtung unterscheidet. Bislang war angenommen worden, dass die Umorientierung der Kristalle erst bei 1200 bis 1300 Grad stattfindet.
Die tektonischen Platten, die über das Erdinnere driften, werden nicht nur an der Oberfläche verformt, sondern auch in größeren Tiefen. Schon bei relativ niedrigen Temperaturen wird dabei die Kristallstruktur der Mantelgesteine verändert, berichten Forscher um Martin Scherwarth von der University of Wellington in Neuseeland im Fachblatt Geophysical Research Letters (Bd. 29, S. 14.179).
Die Forscher benutzten seismische Wellen, die durch Explosionen oder Druckluftkanonen erzeugt wurden, um die obersten hundert Kilometer der Erdkruste unter Neuseelands Südinsel zu durchleuchten. Die seismischen Messungen erlauben in diesem Fall einen schärferen Blick als Erdbebenwellen, schreiben Scherwarth und Kollegen. Die Forscher wollten herausfinden, ob sich die durch die Plattenbewegungen erzeugte Spannung vor allem an der unteren Grenze der tektonischen Platten, die aus der Kruste und dem obersten Teil des Erdmantels bestehen, konzentriert, oder ob sich die Spannung in der gesamten Platte aufbaut.
Ute Kehse





