Je bedeutender eine Studie ist, desto häufiger wird sie von anderen zitiert. Dieser Logik folgend, dienen Zitationen üblicherweise als Maß für den Einfluss einer Forschungsarbeit. Doch manchmal greift diese Methode zu kurz. Denn werden nur direkte Zitationen einbezogen, lässt sich nicht abbilden, wenn eine Studie ein ganz neues Forschungsfeld eröffnet hat, in dem die Ursprungsstudie nicht mehr unbedingt in jeder auf ihr aufbauenden Veröffentlichung erwähnt wird. „Wissenschaftlicher Einfluss breitet sich sowohl über direkte als auch indirekte Zitationspfade aus und Entdeckungen sind oft über mehrere Artikel verstreut“, erklärt ein Team um Munjung Kim von der Indiana University in Bloomington. „Das macht es schwierig, Disruptivität zu messen.“

Abgleich von Vergangenheit und Zukunft
Gemeinsam mit ihren Kollegen hat Kim nun einen neuen Ansatz entwickelt, um die Durchschlagskraft wissenschaftlicher Entdeckungen zu klassifizieren. Dazu ordneten die Forschenden mehr als 55 Millionen Studien und Patente in ein hochdimensionales Raster ein, das mit Hilfe künstlicher Intelligenz alle direkten und indirekten Verbindungen zu weiteren Studien erfasst und jeweils darstellt, auf welchen früheren Veröffentlichungen eine Arbeit aufbaut und welche neuen Forschungsarbeiten sie inspiriert hat.
„Der Kerngedanke unseres Ansatzes besteht darin, dass wir uns für jede Arbeit zwei unterschiedliche Vektoren vorstellen können: einen für die Vergangenheit und einen für die Zukunft“, erklären Kim und ihre Kollegen. „Wenn ein Beitrag die Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft wesentlich neu gestaltet oder einen neuen Forschungszweig initiiert, divergieren diese beiden Kontexte.“ Je größer also der Abstand zwischen dem Vergangenheits- und dem Zukunftsvektor ist, desto größere Veränderungen hat die jeweilige Arbeit angestoßen. „Unser Maß – das „Embedding Disruptiveness Measure“ (EDM) – bietet einen kontinuierlichen, hochauflösenden Einblick darin, wie wissenschaftliche Beiträge die Beziehung zwischen überliefertem Wissen und neuen Forschungsrichtungen neu gestalten“, so die Forschenden.





