Das war bald nach 1975. Da war längst Microsoft gegründet. Die ersten Schreibprogramme mit Namen wie “Wordstar” lieferte zwar noch nicht die Gates-Firma aus – sie kamen um 1977 auf den Markt -, aber es dauerte nicht mehr lange, bis “Word for Windows” die Welt eroberte und dem Schreiben ganz neue Möglichkeiten eröffnete. Keine Angst mehr vorm Vertippen, kein Geschmiere mehr beim Tipp-Ex-Pinseln, ungeahnte Möglichkeiten der Schriftwahl und der Formatierung. Enorm hilfreich war etwa auch die automatische Rechtschreibkorrektur. Wobei ich mich erst nach und nach an die roten Wellenlinien unter falsch geschriebenen Wörtern gewöhnen musste. Inzwischen vermisse ich sie sogar, wenn ich etwas mit der Hand schreibe.
Persönlichkeit des Jahres: der Computer
1975 prägen aber nicht allein Bill Gates und seine Software-Firma. 1975 bringt IBM den ersten tragbaren Computer heraus, den IBM 500, der 25 Kilogramm wiegt. Das Palo Alto Research Center, das die Firma Xerox eingerichtet hat und finanziert, stellt ein erstes Graphical User Interface (GUI) vor, mit deren Hilfe später die Mausklicks möglich werden. Im folgenden Jahr gründen Steve Jobs und Steve Wozniak das Unternehmen Apple Computer, das 1980 an die Börse geht.
In der Zeit bereitet Gates das MS-DOS-Betriebssystem vor, das 1981 auf den Markt kommt. Im Jahr darauf kommt das Wort “Internet” in allgemeinen Gebrauch, und das Magazin TIME wählt 1982 tatsächlich den Computer zur “Persönlichkeit des Jahres”, worüber man sich bis heute wundern kann.
Der Computer als Persönlichkeit? In den 1970er Jahren gab es neben den genannten praktischen Fortschritten auch viele Überlegungen der philosophischen Art zur wachsenden künstlichen Intelligenz. Eine damals gestellte und heute beantwortete Frage lautete, ob es einmal einen Computer – also eine geeignete Software – geben wird, die in der Lage ist, einen Schachweltmeister zu besiegen. Bekanntlich ist dies IBM mit einer Maschine namens Deep Blue noch vor dem Ende des 20. Jahrhunderts gelungen. Eben dazu lohnt ein weiterer Blick in die 1970er-Jahre. Als Microsoft und Apple in unser Leben einzogen, erörterten einige Denker die Frage, ob eine programmierte Maschine einen Schachweltmeister besiegen kann wie folgt: Es werde eines Tages gelingen, aber dabei würde es nicht bleiben. Sie waren überdies der Ansicht, dass eine Software, die Weltmeister im Schach wird, sich über ihren Sieg freuen und überhaupt Gefühle entwickeln und zeigen kann.
Mensch erfreut Maschine, Maschine freut sich nicht wie Mensch
Diese Voraussage hat sich bislang noch nicht erfüllt. Selbst als IBM einen Computer namens Watson präsentierte, der die knifflige Show “Jeopardy!” als Sieger verließ und damit demonstrierte, dass er gigantische Datenmengen nicht nur abrufen, sondern auch clever verknüpfen kann, kam bei der Maschine keine Feierstimmung auf. Sie verlangte weder nach Urlaub noch nach Champagner und ließ sich stattdessen einfach abschalten, soweit bekannt ist.





