Bekannt ist bisher, dass die Erde bei der Entwicklung der Tektonik mittendrin eine Pause einlegte: Mineralanalysen zeigen, dass es schon vor rund vier Milliarden Jahren einzelne Bewegungen in der Kruste gab. Eine echte Plattentektonik aber findet sich erst vor rund drei Milliarden Jahren. Was in der Zwischenzeit geschah und wie währenddessen die Plattengrenzen entstanden, blieb ungeklärt. Genau an dieser Lücke setzt die Studie von Bercovici und Ricard an. Mit Hilfe eines simplen Modells versuchten sie zu rekonstruieren, wie Plattengrenzen und Verwerfungen entstanden sein könnten. Für ihr Modell simulierten sie das Verhalten von Gestein, das aus zwei Komponenten im Verhältnis 60:40 besteht. Nach gleichem Muster ist auch das häufigste Gestein des Erdmantels aufgebaut, das Peridotit. Dieses Modellgestein betteten die Forscher in eine Schicht aus zähfließendem Material, ähnlich wie die feste Lithosphäre der Erde auf einem “Bett” aus zähflüssigem Gestein schwimmt. Dann simulierten sie was geschieht, wenn die Matrix unter dem festen Gestein nachgibt stellenweise nachgibt.
Akkumulierte Schäden im Gestein
Schon die ersten Simulationen enthüllten: “Die Schlüssel-Parameter dafür, ob neue Platten entstehen oder nicht, sind die Schäden und die Heilung an den Gesteinskörnern und deren Grenzflächen”, erklären die Forscher. Denn wirkt Druck auf das Gestein ein und verschiebt es sich, entstehen Mikrorisse und andere Schäden. Das hat zunächst keine großen Folgen, wie die Versuche zeigten. Nach einer Weile regeneriert sich die Gesteinsstruktur von selbst. Doch wenn sich dieses Absinken wiederholt, dann reicht die Zeit nicht aus, um die durch die Schäden entstehende Schwächezone zu reparieren. Ließen die Forscher die zähflüssige Matrix im Modell leicht fließen, so dass sich die Stelle des Absinkens immer ein bisschen verschob, dann reichten vier Schritte aus, um eine Krustenplatte samt umgebenden Plattengrenzen entstehen zu lassen.
“Obwohl unser Testfall stark idealisiert ist, demonstriert er, dass eine vollentwickelte Platte aus einem einfachen Absinken entstehen kann”, konstatieren Bercovici und Ricard. Wie sie ermittelten, hätte dieser Prozess bei der jungen Erde einige hundert Millionen Jahre benötigt. Dies erklärt auch die Zeit, die von der ersten Subduktion zur voll ausgebildeten Plattentektonik verging, so die Forscher.
Die Simulation löst aber noch ein Rätsel, denn in ihrem Modell testeten die Forscher auch, was unter Venus-ähnlichen Bedingungen passiert. Dafür erhitzten sie das gesamte Ensemble um 200 bis 400 Grad und ließen den Prozess erneut ablaufen. Wie sich zeigte, bildeten sich dabei zwar leichte Schwächezonen, aber weder eine Platte noch Plattengrenzen. Ein näherer Blick auf die Parameter enthüllte auch warum: Das heißere Gestein ist flexibler und gleicht Schäden schneller aus. Dadurch können sich die Folgen der aufeinander folgenden Absinkprozesse nicht addieren, die Heilung verläuft einfach zu schnell. “Dieses Ergebnis liefert eine einfache Erklärung, warum die Venus zwar wahrscheinlich simple Subduktionszonen besitzt, aber keine ausgebildete Plattentektonik”, konstatieren die Wissenschaftler.





