Im Untergrund des Gale-Kraters auf dem Mars steckt wesentlich weniger Wasser als bislang angenommen. Messungen aus dem Orbit hatten vermuten lassen, dass der Boden etwa sechs Prozent Wasser enthält. ?Vorläufige Ergebnisse von Curiosity zeigen allerdings nur einen Bruchteil davon?, berichtete der Astronom Maxim Mokrousov auf dem Europäischen Planetenkongress in Madrid. Weitere Messungen zeigen, dass es am Landeplatz des Rovers nicht nur trocken, sondern für Marsverhältnisse auch ungewöhnlich warm ist. Obwohl dort gerade der Frühling beginnt, klettern die Temperaturen bereits regelmäßig auf Plus-Grade, meldet Felipe Gómez vom Zentrum für Astrobiologie in Madrid.
?Dass wir tagsüber derartige Temperaturen messen, ist eine Überraschung?, sagte Gómez. ?Wenn der Trend anhält, könnten wir im Sommer Temperaturen über 20 Grad vorhersehen.? Am Tag könnte es dann regelmäßig warm genug sein, dass sich flüssiges Wasser bilden kann. Allerdings sei der Beobachtungszeitraum noch zu kurz, um eine zuverlässige Prognose zu wagen.
Im Untergrund scheint Wasser zudem knapper zu sein als erwartet, wie die Ergebnisse des Instruments DAN (Dynamic Albedo of Neutrons) zeigen. Dieses Instrument schießt Neutronen in den Untergrund, um die Konzentration von Wasserstoff-Atomen zu messen, die vermutlich in Wassermolekülen gebunden sind. Eine Erklärung für die jetzt festgestellte unerwartet niedrige Wasserkonzentration könnte darin liegen, dass das Wasser ungleichmäßiger im Krater verteilt ist als angenommen. Die bisherigen Werte beruhen auf Messungen vom Orbit, die über eine Fläche von 90.000 Quadratkilometern gemittelt sind. Bereits die ersten Messungen von Curiosity deuten darauf hin, dass die Werte lokal stark schwanken.
Zumindest in der fernen Vergangenheit war es im Krater Gale richtig nass, wie die US-Raumfahrtagentur NASA letzte Woche bekannt gab. Fotos von Flusskieseln zeigen eindeutig, dass in früheren Zeiten einmal größere Wassermassen in den Krater strömten. ?Aus der Größe der Kiesel können wir schließen, dass das Wasser sich mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Meter pro Sekunde bewegte und maximal hüfttief war?, sagte William Dietrich von der University of California in Berkeley.
Die rundliche Form vieler Kiesel in dem fotografierten Konglomerat belegt, dass der Wassertransport über längere Zeit anhielt. Damit sei die erste lebensfreundliche Umgebung gefunden, sagte Projektwissenschaftler John Grotzinger vom California Institute of Technology in Pasadena. Curiosity soll nun die Häufigkeit bestimmter chemischer Elemente in der feinkörnigen Matrix messen, in der die Kiesel stecken. So will das Curiosity-Team die Umgebung, in der sich die Steinchen ablagerten, genauer charakterisieren.
M. Litvak, I. Mitrofanov (Space Research Institute, Moskau, Russland): EPSC Abstracts, Bd. 7, EPSC2012-346 European Planetary Science Congress 2012 © wissenschaft.de – Ute Kehse





