Wer diese Frage beantworten und seine Antwort nach allen Regeln der wissenschaftlichen Kunst belegen kann, sollte sich schon einmal nach der angemessenen Garderobe für die Nobelpreis-Verleihung in Stockholm umschauen.
Schon 1927 hatte der belgische Kosmologe Georges Lemaître argumentiert, dass unser Universum nicht ewig sei, sondern vor endlicher Zeit begonnen hätte. In den 1930er-Jahren spekulierte er über den Zerfall eines Uratoms und wurde damit zu einem Vorreiter der Quantenkosmologie. Erst ab den 1970er-Jahren wurde die Idee von Stephen Hawking und anderen Forschern wieder zur Erklärung des Urknalls aufgegriffen. Doch es ist nicht klar, ob die Frage nach dem Ursprung des Urknalls physikalisch überhaupt sinnvoll ist. Wenn es keine Zeit vor dem Urknall gab, kann es auch keine Ursache für ihn gegeben haben. Und selbst wenn der Big Bang nicht der absolute Beginn der Raumzeit war, hatte er nicht unbedingt eine Ursache. Er könnte blanker Zufall gewesen sein wie etwa der Zerfall eines radioaktiven Atoms.
Trotzdem bleibt die Frage: Wie kam es zum Urknall? Oder ganz tiefgründig philosophisch mit Gottfried Wilhelm Leibniz gefragt: Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts? Statt einer Antwort gibt es inzwischen viele Antworten – vielleicht zu viele (siehe Tabelle „Wettstreit der Hypothesen” und Grafik „ Weltmodelle im Vergleich”). Das liegt an den Fortschritten der Theoretischen Physik. Denn um den Urknall zu erklären – falls das überhaupt möglich ist –, wird eine Quantenkosmologie mit einer Theorie der Quantengravitation benötigt (bild der wissenschaft 4/2004, „Das Duell: Strings gegen Schleifen”). Man sucht also nach einer Verbindung der Relativitätstheorie für Raum, Zeit und Gravitation einerseits und der Quantenfeldtheorien für die Elementarteilchen und Kräfte zwischen ihnen andererseits. Das ist kein einfaches Unterfangen, denn bislang stehen sich diese Theorien unversöhnlich gegenüber.
Wenn auch noch niemand eine solche „Weltformel” gefunden hat, so gibt es doch vielversprechende Kandidaten, zum Beispiel die Stringtheorie und die Theorie der Schleifen-Quantengravitation. „ Näherungsformeln” wie die Wheeler-DeWitt-Gleichung sind in der Quantenkosmologie ebenfalls von großer Bedeutung. Nun kommt es darauf an, die Stichhaltigkeit der verschiedenen Hypothesen zu bewerten und, noch wichtiger, Voraussagen abzuleiten, die sich auch überprüfen lassen.
Eine Chance dazu bietet die europäische Raumsonde Planck. 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt misst sie seit August die Temperaturverteilung der Kosmischen Hintergrundstrahlung mit einer Genauigkeit, die sich wohl nicht mehr übertreffen lässt. Wenn die Daten ausgewertet sind, vermutlich 2012, muss der Urknall wohl einige seiner Geheimnisse preisgeben.





