Der Pazifik ist die größte Lücke in der Landmasse der Erde ? Tausende Kilometer trennen Asien vom Großteil des nordamerikanischen Kontinents. Doch für Myriaden von Lebewesen ist diese Entfernung offenbar ein Katzensprung: Als Passagiere von Staubwolken reisen manche Mikroorganismen in gewaltigen Mengen binnen weniger Tage von Asien nach Nordamerika, berichten US-Forscher.
David Smith von der University of Washington und seine Kollegen haben die lebendige Fracht zweier Staubwolken analysiert, die 2011 etwa sieben bis zehn Tage zwischen Asien und Nordamerika unterwegs waren. Um die Identität der Mikroben festzustellen, nutzten die Forscher moderne Verfahren der Biotechnologie und identifizierten die Lebewesen anhand ihres Erbguts.
Insgesamt 2.100 unterschiedliche Formen von Mikroorganismen ließen sich auf die Weise in den Staubschwaden nachweisen. Das sind weit mehr als vermutet. Bei etwa der Hälfte der Lebensformen handelte es sich um Bakterien, die anderen waren Pilze. Die meisten dieser Organismen waren harmlose Bodenbewohner, einige sind aber auch als Erreger von Pflanzenkrankheiten bekannt. Eine Ansteckung über ganze Kontinente hinweg sei also durchaus denkbar, betonen Smith und seine Kollegen.
Vom Wind in Asien aufgewirbelt ? gelandet in Amerika
Etwa 70 Millionen Tonnen Staub aus Asien erreichen jedes Jahr den nordamerikanischen Kontinent. In jedem Gramm Staub sitzen Tausende Keime, vermuten die Forscher. Ganz ähnlich stehen auch andere Landmassen überall auf der Erde miteinander in Kontakt. ?Kontinente niesen sich gleichsam an?, sagt Smith. ?Durch die Studie hat sich mein Blick in den Himmel verändert?, sagt der Wissenschaftler. ?Ich sehe dort Mikroben auf Wanderschaft.?
Er und seine Kollegen wollen nun herausfinden, mit welchen Strategien es viele Lebensformen schaffen, den harten Bedingungen in der teils großen Höhe zu trotzen. Denn die extreme Kälte und UV-Strahlung sind sehr lebensfeindlich. Laut Smith sind zwei der drei häufigsten Bakterien-Familien aus den Staubwolken für ihre Fähigkeit bekannt, unter widrigen Umständen Überdauerungsformen zu bilden. Wenn man Genaueres über die Strategien der zähen Einzeller wüsste, wäre das für Biotechnologie und Medizin von großem Wert.
David Smith von der University of Washington et al.: Applied and Environmental Microbiology, doi: 10.1128/AEM.03029-12 © wissenschaft.de – Martin Vieweg





