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Waldbesetzung: Wenn Protest in der Luft hängt
Erde & Umwelt

Waldbesetzung: Wenn Protest in der Luft hängt

Im Altdorfer Wald haben die Aktivisten der Waldbesetzung auf Holzplattformen ein schwebendes Dorf errichtet. · Foto: Patrick Vetter

In einem der größten zusammenhängenden Wälder Süddeutschlands haben Umweltaktivisten mit zahlreichen Baumhäusern eine Fläche besetzt, die für den Kiesabbau gerodet werden soll. Trotz des ungewissen Ausgangs harren die Protestierenden selbst im Winter bei Eis und Schnee aus. Ihnen geht es um mehr als den Wald.
Autor
Redaktion
23. April 2026
Lesezeit
9 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt
In einem der größten zusammenhängenden Wälder Süddeutschlands haben Umweltaktivisten mit zahlreichen Baumhäusern eine Fläche besetzt, die für den Kiesabbau gerodet werden soll. Trotz des ungewissen Ausgangs harren die Protestierenden selbst im Winter bei Eis und Schnee aus. Ihnen geht es um mehr als den Wald.

Text: Patrick Vetter

Im Altdorfer Wald bei Ravensburg steigt Mitte Januar eine Rauchsäule empor. Von oben fallen ihr dicke Schneeflocken entgegen, nehmen ihren Weg zwischen den Fichten hindurch und hüllen den Waldboden in eine weiße Decke. Lediglich ein paar Fuchs- und Rehspuren durchziehen bald die sonst makellose Fläche.

Auch der Waldboden nahe der Gemeinde Grund, wo die Quelle des aufsteigenden Rauchs steht und eine Handvoll menschlicher Waldbewohner warmhält, bleibt unversehrt. Denn der alte Küchenherd, der den Rauch ausstößt, schwebt etwa fünf Meter hoch über der Erde. Oben in den Bäumen haben sich die Aktivisten eine Bleibe geschaffen – scheinbar beflügelt von ihrem Anliegen. Hier drängt nicht nur beständiger Rauch aus dem Ofen – hier schwelt auch beharrlicher Protest, der nun schon seit fünf Jahren anhält.

Einige der Aktivisten bleiben am liebsten anonym, der 22-jährige Samuel Bosch hingegen tritt regelmäßig in die Öffentlichkeit und mit Aufmerksamkeit erregenden Aktionen vor die Kameras. Denn er ist sich sicher: „Diese Besetzung hat nur in Kombination mit weiteren Veranstaltungen und einem wachsenden Netzwerk ihre geballte Wirkung.“

Über 20 Baumhäuser haben die Besetzer mittlerweile gebaut. Weit verteilt im Wald. Manche sind dauerhaft, manche unregelmäßig bewohnt. Eines davon ist ein ausgedienter Wohnwagen, der mit Kettenzügen durch den Wald und in die Höhe gehievt wurde. Die Bauten tragen Namen wie „Bermuda-Dreieck“, „Arche Noah“ und „Rojava“. Das Baumhaus, in dem der Ofen steht, musste sich mit dem einfachen Namen „Küche“ begnügen. Dafür ist es vor allem in den kalten Wintermonaten der soziale Treffpunkt in der Waldbesetzung.

Die Wärme lockt die Aktivisten genauso wie Mäuse an, die über den Boden und durch die Regale huschen. Gut verpackte Lebensmittel, zahlreiche Bücher, Instrumente, Werkzeuge und Brennholz liegen und stehen überall herum. Es riecht nach Holz, klammem Stoff und kaltem Essen. Langsam schwankt der Mittelpunkt des Protests an den Seilen hin und her, mit denen die Küche an vier Fichten hängt.

Wald auf Gletscher-Kies

Die Bäume sind nicht zufällig gewählt. Sie wurden von den Protestierenden besetzt, damit sie nicht gefällt werden können. An dem Hanggrundstück – bewachsen mit Fichten, Buchen, Ahorn und Erlen – soll nämlich eine Kiesgrube entstehen. Die Firma Meichle und Mohr plant die Erweiterung bestehender Gruben und eine ganz neue Förderstelle am Ort der Waldbesetzung.

Die Ursprünge des Konflikts reichen weit zurück in die Erdgeschichte: Der geologische Aufbau des Altdorfer Forsts ist geprägt von Gletschern der letzten Eiszeit. Der Hauptkamm, das Kerngebiet des Waldes, ist das Relikt einer Moräne. Hier hat der Gletscher Gestein aufgeschoben und abgelagert. Dabei wurden die Kiesel von den Eismassen zerkleinert und rund geschliffen. Für die Bauindustrie ist das ein wichtiger Rohstoff. Kies wird für Beton und Zement benötigt. Er ist der Unterbau für unsere Straßen.

Über die Jahrtausende hat sich die Natur den Berg aus Kies zurückerobert. Jahr für Jahr wuchs der Mutterboden heran, der das Fundament für den Wald bildet. Der heutige Baumbestand ist allerdings kein Urwald, sondern geprägt von der Holzwirtschaft. Im Verlauf der letzten Jahrhunderte wurde kontinuierlich Holz entnommen und wieder aufgeforstet. Der große Unterschied zum Kiesabbau ist jedoch, dass der Waldboden weit weniger beeinträchtigt wird.

Ein Kampf für den Wald – und für eine Bauwende

Die Zerstörung des Mutterbodens ist ein zentrales Argument der Aktivisten. Das Kiesabbauunternehmen verweist hingegen auf einer Informations-Homepage auf geplante Renaturierung und Rekultivierung und betont Chancen für seltene Arten.

Die Gegner des Kiesabbaus sehen auch die Grundwasservorkommen gefährdet. Es werde genügend Abstand zu Wasserschutzgebieten eingehalten, halten die Unternehmer dagegen.

Im Altdorfer Forst werde mehr Kies gefördert, als in der Region benötigt wird, und der Bedarf an Kies und Sand für die Bauindustrie müsse gesenkt werden, legen die Umweltaktivisten ihre Position in verschiedenen Schreiben dar. Abbaufirmen beteuern, die Förderung decke lediglich die Nachfrage und sei essenziell für die Gesellschaft und Infrastruktur.

Die Argumente sind zahlreich und im Detail vielschichtig und kompliziert. Sie werden an der direkten Konfliktlinie im Wald ausgetauscht. Schnell entsteht dabei das Bild eines ungleichen Kampfes: die Aktivisten in ärmlichen Hütten gegen eine mächtige profitgierige Industrie. Das brachte den Besetzern viel Sympathie und Unterstützung bei der umliegenden Bevölkerung ein.

Tatsächlich geht der Konflikt aber über die Interessen im Altdorfer Wald hinaus. Der eigentliche Protest richtet sich gegen die grundsätzliche Baupolitik. Nachgefragt, formuliert es der Aktivist Samuel so: „Für eine Klimawende müssen wir den Bedarf an Kies und Zement reduzieren. Wir brauchen eine Bauwende.“

Deshalb sieht er sich und die Besetzung als Teil einer größeren Bewegung, deren Vertreter politische Weichenstellungen für Holzbau und klimafreundliche Alternativen fordern. Die Aktivisten kritisieren zum Beispiel den Regionalplan, der weiterhin Flächen für den Kiesabbau oder zur Versiegelung ausweist. Der Kiesabbau im „Alti“ sei ein Symptom anderer Probleme im System.

Wohnen wie im Kühlschrank

Ihre Überzeugung lässt die Aktivisten selbst bei eisigen Temperaturen weiter durchhalten, in ihren Baumhäusern, die einen Schutzschild für den Wald gegen die Maschinen der Kiesindustrie darstellen.

Doch es ist nicht einfach, im Winter im Wald zu leben. Hoffnungsvoll dreht Samuel am Wasserhahn eines mit 500 Litern Frischwasser gefüllten Tanks. Doch der Inhalt ist immer noch gefroren. Da bleibt nur Schneeschmelzen oder Wasser in Kanistern kilometerweit in den Wald zu tragen. Samuel sieht es positiv: „Bei einem Spaziergang wird es wenigstens warm.“ Auch Nahrungsmittel und Holz zum Heizen müssen die Aktivisten oft zu Fuß in den Wald transportieren, wenn nicht Unterstützer aus umliegenden Dörfern Altholz, Gemüse oder Kartoffeln vorbeibringen.

Der Rest wird containert: Nachts klappern die Aktivisten die Mülltonnen von Supermärkten und Lebensmittelgeschäften ab und nehmen mit, was noch verwertbar ist. „Ich komme mit 100 Euro im Monat aus. Die sind dann hauptsächlich für Verkehrsmittel und manchmal einen Döner“, erzählt Samuel. Die ganze Baumhaussiedlung besteht aus wiederverwerteten und recycelten Materialien. Kaputte Gebrauchsgegenstände werden repariert und genutzt oder noch funktional an die Bedürfnisse der Gemeinschaft angepasst. Dabei bilden sich im Wald ganz nebenbei Amateur-Tischler, -Zimmerleute, -Gärtner und -Werkzeughersteller selbstständig aus. Samuel zieht stolz einen zerbeulten Topf aus dem selbst gebauten Küchenregal: „Den Griff habe ich selbst geschmiedet und angeschweißt.“ Später am Tag versucht er sich gleich noch als Schornsteinfeger. Während es kontinuierlich weiterschneit, seilt er sich am Küchenbaumhaus ab, demontiert das Ofenrohr und beseitigt Ruß und Ablagerungen.

„Die Vielfalt der Aufgaben hier im Wald fasziniert mich. Man lernt viel, und das bringt nicht nur die Gemeinschaft, sondern auch mich persönlich weiter“, beschreibt Samuel eine weitere Quelle für seine Motivation. Und die ist seit fünf Jahren ungebrochen. Samuel hofft, wie alle Menschen im Wald, auf den Erfolg ihrer Besetzung. Er mache jedenfalls weiter: „Entweder wir stoppen die Kiesgrube oder ich werde hier rausgetragen.“ Bis dahin lohne sich für ihn jede Sekunde im Wald.

Während der Schulzeit zum Aktivisten geworden

Samuel zog mit 18 Jahren in den Altdorfer Wald und brach damals für den Klimaaktivismus kurz vor dem Abitur die Schule ab. Schon davor hatte er sich an unterschiedlichen Protestaktionen beteiligt. Die erste Räumung aus einem Baumhaus durch die Polizei erlebte er in Ravensburg: „Ich habe immer gewartet, bis die Hebebühne aufgebaut war, und bin dann am Seil in einen anderen Bereich traversiert.“ Die Aktivisten seien Polizeieinsatz und rechtliche Verfolgung für selbst kleine Protestaktionen mittlerweile gewohnt. 2022 brachte Samuel zusammen mit zwei anderen ein Banner am Gebäude der Regierung von Schwaben in Augsburg an. Die Aufschrift: „Lohwald-Rodung trotz laufender Gerichtsverfahren? Frech!“ Die Strafe durch das Landgericht: drei Wochen Jugendgefängnis. Später erklärte das Verfassungsgericht das Urteil jedoch für rechtswidrig. Samuel machte das Verfahren, seinen Umgang damit und die Bedeutung für den Klimaaktivismus damals öffentlich. Widerstand von Behörden verdeutliche für ihn, wie wichtig der Protest sei.

Verschiedene Menschen und Motivationen

Die Waldbesetzer im Altdorfer Forst sind bunt zusammengewürfelt. In den Baumhäusern treffen Aktivisten jeden Alters und aus ganz Deutschland zusammen. Einige reisen von Besetzung zu Besetzung. Andere leben seit Jahrzehnten in der direkten Umgebung des Altdorfer Waldes und kämpfen hier für ein Stück Natur vor der Haustür. Die Motivationen sind unterschiedlich: gelebter aktivistischer Umweltschutz, die Mitgestaltung und Festigung einer Klimabewegung über den „Alti“ hinaus oder persönliche Entfaltung in der freien Gemeinschaft im Wald.

Dafür geben sie Komfort auf. Seit vergangenem Jahr gibt es zwar in wenigen Hütten Strom aus provisorisch verkabelten Kästchen von mehreren Solarpanels, doch solange die Module mit Schnee bedeckt sind, bleibt es dunkel. Die Einrichtung der Baumhäuser ist spärlich: in der Ecke ein Bett aus Palettenholz. Ein kleines Regal. Das war’s. „Im Falle einer Räumung würden wir ja nur alles verlieren“, erklärt Samuel. An Bemalungen und geschriebenen Sprüchen und Gedichten an den Holzwänden wurde dagegen nicht gespart. Die Dielen lesen sich wie ein Gästebuch oder Poesiealbum der ehemaligen Bewohner.

Hoch über dem Boden

Alles hängt in bis zu 20 Meter Höhe über dem Boden. Die Plattformen werden aus Stämmen toter Fichten aus dem Wald gebaut und dann mit Seilen an den Bäumen aufgehängt. Um die richtigen Knoten und sicheren Bauweisen zu lernen oder das Wissen weiterzugeben, gibt es regelmäßigen Austausch und „Skill Shares“ zwischen den Bewohnern unterschiedlicher Besetzungen in Deutschland.

In den meisten Fällen führt der einzige Weg nach oben über ein fest installiertes Kletterseil. Durch den Frost ist das Seil ganz starr. Die Finger werden eiskalt, sobald sie sich darumlegen. Dann geht es aufwärts. Das „Raupen“ am Seil nach oben ist die wichtigste Klettertechnik im Wald. Als Hilfsmittel reichen dafür ein Klettergurt und zwei kurze Schlingen aus Rebschnur. Eine Schlinge dient der Sicherung. Die zweite wird als Tritt genutzt, und so geht es mit wechselnder Be- und Entlastung am Seil empor.

Die meisten Baumhäuser sind miteinander und mit vielen weiteren Bäumen und kleinen Plattformen über gespannte Seile verbunden. Über diese Brücken kommen die Besetzer durch den Wald, ohne einen Fuß auf den Boden setzen zu müssen. Auch das sind Vorbereitungen auf eine mögliche Räumungsaktion der Polizei.

Seit fünf Jahren steht die Entscheidung über den Kiesabbau bei der Gemeinde Grund nun aus. Doch die Aktivisten rechnen damit, dass in naher Zukunft Bewegung in die Verhandlungen kommen könnte. Grund dafür ist unter anderem die Klage der Gemeinden Baienfurt und Baindt gegen den Regionalplan, der den Wald als Vorranggebiet für den Kiesabbau ausweist. Die Gemeinden haben Angst um die Qualität des Grundwassers, das die Bewohner mit Trinkwasser versorgt.

Diesen Widerstand gegen den Kiesabbau aus der Verwaltung versuchen die Waldbesetzer zu unterstützen – über Pressearbeit, Kundgebungen und aufgehängte Banner, aber auch Informations- und Abendveranstaltungen direkt im Wald. Die „Küche“ ist mittlerweile zum Kulturzentrum geworden. Dort steht ein Klavier und es finden Lesungen, Konzerte, Workshops und Sachvorträge statt. So kommen Menschen oft zum ersten Mal mit der Besetzung in Kontakt. Den Besucherrekord bescherte ein „Ton Steine Scherben“-Konzert mit mehreren Hundert Menschen. Dabei sei der Eintritt immer frei. Alle sind gleichberechtigt im Wald – auch die Aktivisten, die längere Zeit in der Waldbesetzung bleiben. Bis auf wenige private Gegenstände ist in den Baumhäusern alles Allgemeingut und kann von allen genutzt werden. Das funktioniere in den meisten Fällen sehr gut: „Falls es mal Probleme gibt, muss man eben darüber reden“, sagt Samuel. Im Wald gebe es keine Rangordnung, Regeln oder Pflichten. Ein wertschätzendes, harmonisches Miteinander vorzuleben, gehöre auch zu den Ansprüchen der Aktivisten.

Am Ende des Abends machen sich die Waldbesetzer schließlich auf, sich in die unterschiedlichen Baumhäuser zu verteilen und ein wenig Privatsphäre zu suchen. Mit gefüllten Mägen verlassen sie den wärmenden Ofen und klettern mit klammen Fingern in ihre Behausungen. Dort verbringen sie eine weitere eisige Nacht im verschneiten Wald, damit auch in Zukunft Schneeflocken durch die Wipfel fallen können.

Waldbesetzungen: Protestform mit Tradition
Waldbesetzungen werden zunehmend Mittel des Klimaprotests. Manche Besetzungen ziehen sich über Jahre, andere enden nach Stunden. Einige haben Erfolg und verhindern Rodungen oder Bauvorhaben, die meisten werden jedoch irgendwann geräumt. Aufmerksamkeit erzeugen sie dennoch alle und stoßen politische Debatten an. Der Ursprung der Protestform liegt in den USA:

Karikatur eines Mannes mit Baum und Ästen auf Kopf, Zeitungstitel 1969: „The Battle of Waller Creek“ in Austin/Texas.
Studierende kletterten auf Zypressen vor der Universität von Texas, um deren Fällung zu verhindern. Die Aktion machte Schlagzeilen und ging als eine der ersten dokumentierten Baumbesetzungen in die Geschichte ein. Die Besetzung wurde noch am selben Nachmittag geräumt und die Bäume wurden gefällt.

Main;_Demonstration_gegen_den_Bau_der_Startbahn_West,_am_Frankfurter_Flughafen._Gegen_die_Rodung_von_großen_Waldflächen_formierte_sich_Widerstand_(Umweltbewegung)_der_betroffenen_Bürger._Protestaktion,_50_Mitglieder_der_Bürgerinitiative_Walldorf,_nackter,_freier_Oberkörper_als_Zeichen_der_gewaltfreien_Aktion. Frankfurt,_15.11.1981.1980: Proteste gegen die Frankfurter Startbahn West. Während des Widerstands am Frankfurter Flughafen wurden in Deutschland erstmals strategisch Bäume erklettert, um deren Fällung zu verhindern. Im Mittelpunkt standen damals allerdings andere Protestformen.

Holzstapel mit Schild 1996: Baumhüttendorf gegen den Ausbau der B31 Ost in Freiburg. Aktivisten errichteten vier Baumhäuser und lebten dort. Es gab ein Büro und Strom aus Solarpanelen. Die Besetzung wurde zum zentralen Protest, die Polizei räumte 40 Menschen mit 400 Beamten.

lsw_++2010: Stuttgart-21-Protest und der „Schwarze Donnerstag“. Während der Proteste gegen den Tiefbahnhof der Deutschen Bahn wurden immer wieder Bäume besetzt. Am „Schwarzen Donnerstag“ 2010 räumten Hunderte Polizisten das Baufeld. Unter den Protestierenden waren auch 80 Baumbesetzer. Im Nachhinein stand die Polizeigewalt stark in der Kritik.

26.03.2019._Polizeieinsatz_im_Hambacher_Forst,_Baumhaus_Krähennest,_Vorwurf_versuchte_Körperverletzung_an_einem_RWE-Mitarbeiter_durch_einen_herabfallenden_EimerAb 2012: Bäume statt Braunkohle und die Besetzung des Hambacher Forsts. Während der medienwirksamen Besetzung des Hambacher Forsts formierte sich im Hüttendorf im Wald eine organisierte Bewegung. Im Vordergrund standen Klimaaktivismus und eine Energiewende, die Aktivisten forderten gesellschaftliches Umdenken und einen Wandel.

Menschen in Baumkronen im Wald, einige auf Baumstämmen und Seilen, mit Sicherheitsausrüstung und Helmen.2019: Baumhäuser gegen die Autobahn A49 – Besetzung des Dannenröder Forsts. Viele Besetzungen der Gegenwart richten sich wie hier gegen den Straßenbau und setzen sich für eine Verkehrswende ein. Bei der Räumung kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Protestierenden.

2020 bis heute: Baumbesetzungen als Routine. Baumbesetzungen kommen in Deutschland immer wieder als medienwirksamer Protest zum Einsatz. Nicht nur Wälder, sondern auch einzelne Bäume werden besetzt, um Bauvorhaben zu verhindern. So zum Beispiel im Ort Lützerath, der dem Braunkohleabbau weichen sollte und 2023 geräumt wurde.

Samuel Bosch, Waldbesetzer im Altdorfer Wald, zählt aus dem Stegreif 25 aktive Wald- und Baumbesetzungen auf. Die Internetplattform „Wald statt Asphalt“ listet 39, von denen einige allerdings keine dauerhaften Besetzungen sind.


Autor: Patrick Vetter

fror und kletterte für die Recherche drei Tage mit den Aktivisten im Altdorfer Wald. Trotz des ernsthaften Anliegens der Besetzung fühlte er sich beim Bäumeklettern in seine Kindheit zurückversetzt.


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