Florian Freistetter: Nun, so einfach wird man das nicht. Nach dem Doktorat muss man sich über befristete Verträge durchschlagen. Dann ist man Mitte 40 und darf sich mit vielen anderen auf eine der wenigen Dauerstellen bewerben. Den Weg dorthin habe ich begonnen, dann aber die Lust verloren. Jedes Jahr ein neuer Job an einem neuen Ort, keine vernünftige Zukunftsplanung. Es hätte für mich weitergehen können, aber diese nicht üppig bezahlte Selbstaufopferung der Wissenschaftler erschien mir immer weniger attraktiv. Ich liebe die Wissenschaft, will aber auch ein Privatleben haben.
Beides zusammen ist nicht möglich?
In dieser prekären Situation sicherlich nicht. Mit einer 80-Stunden-Woche ist man noch am unteren Limit – und beurteilt wird man an der Zahl der Publikationen. Wer also durcharbeitet und auf Privates oder auf Wissensvermittlung verzichtet, hat in dem System die besseren Karten. Ich mache lieber mein eigenes Ding.
Ist unser Wissenschaftssystem denn effizient?
Die befristeten Stellen sind durchaus sinnvoll – wir jungen Wissenschaftler müssen ständig Neues lernen wie Handwerker, die auf der Walz sind. Nur ist das Ganze ausgeartet. Wer zum Beispiel einen Zwei-Jahres-Vertrag an einem neuen Institut erhält, braucht ein halbes Jahr, um sich einzuarbeiten. Dann beginnt die vernünftige wissenschaftliche Arbeit für ein Dreivierteljahr – anschließend muss man schon wieder Anträge für Drittmittel schreiben, um später nicht arbeitslos zu werden. Das geht zu Lasten der Forschung.
Was sollte verbessert werden?
Es müsste mehr auf fünf Jahre befristete Stellen geben. Dadurch könnten junge Wissenschaftler besser arbeiten. Und es sollten wie in den USA sogenannte Tenure-Track-Stellen geschaffen werden: Nach einiger Zeit erfolgt eine Bewertung nach klaren Kriterien, und man hat die Chance auf eine Dauerstelle. Die Strukturen für die Zeit zwischen Promotion und Professur fehlen in Deutschland schlicht.
In Deutschland sind rund 800 .000 Wissenschaftler in Lohn und Brot. Wie viele bloggen?
Keine Ahnung, aber es werden zu wenige sein.
Wird in anderen Ländern mehr gebloggt?






