Aussagekräftiger ist da schon der deutsche Untertitel: Wie der Zufall unser Leben bestimmt. Denn die Protagonisten sind Wahrscheinlichkeitstheorie, Normalverteilung und Infinitesimalrechnung, was nahe liegt, da der Verfasser Leonard Mlodinow am Caltech in Pasadena Wahrscheinlichkeitsrechnung sowie Statistik lehrt und als Co-Autor von Stephen Hawking beim Buch Die kürzeste Geschichte der Zeit Weltruhm
erlangte.
Dabei ist sein neues Buch alles andere als eine trockene mathematische Abhandlung, sondern eine gelungene Komposition aus eigentlich kaum vereinbaren Bestandteilen: Zum einen enthält es notwendigerweise die theoretischen Grundlagen, auf denen das Zufallsgebäude ruht, was einige Anforderungen an das logische Verständnis des Lesers stellt. Zum anderen schildert Mlodinow die Biografien der Glücksspieler, Mathematiker und Physiker, die dem Walten des blinden Schicksals das rationale Licht wissenschaftlicher Erkenntnis gegenüberstellten, darunter Aristoteles, Bernoulli und Einstein. Der Themenbogen spannt sich vom Würfelspiel bis zur Quantentheorie.
Und zum Dritten beschreibt Mlodinow, wie bis heute Bauchgefühl, Intuition und der sogenannte gesunde Menschenverstand regelmäßig in die Irre führen. Auf dem Holzweg treffen sich Manager, Lehrer, Verschwörungstheoretiker, Weinkenner, Forensiker, Basketball-Experten, Dopingtester, Investmentbanker und Nobelpreisträger. Alles in allem hat es der Leser mit einer singulären Mischung aus handfester Ratgeberliteratur, Wissenschaftshistorie und Zeitkritik zu tun, die noch dazu höchst unterhaltsam zu lesen ist.
Hans Schmidt





