Eine der schwierigsten Aufgaben für Vulkanologen ist es, die gewöhnliche Aktivität eines Vulkans von den Vorboten eines größeren Ausbruchs zu unterscheiden. Kathy Cashman, von der University of Oregon und Richard Hoblitt vom Geologischen Dienst der USA (USGS) berichten jetzt im Fachblatt Geology (Bd. 32, Nr. 2, S. 141), dass eine bessere Vorhersage durch genaue Analyse des ausgeworfenen Magmas möglich ist.
Oft werden größere Eruptionen bei Vulkanen durch Phänomene wie Erdbeben, eine Verformung des Berges, den Austritt vulkanischer Gase oder kleinere Explosionen eingeleitet. Wenn neues Magma in die Magmakammer unter einem Vulkan eindringt, steigt der Druck und der Vulkan beginnt zu erwachen. Ob eine Explosion droht, hängt vor allem von der chemischen Zusammensetzung des neuen Magmas ab. Da sich die Magmakammer tief unter der Erde befindet, war es bislang schwierig, die Gefahr abzuschätzen.
Der Vulkan Mount St. Helens an der amerikanischen Westküste erwachte bereits zwei Monate vor seinem schweren, explosiven Ausbruch am 18. Mai 1980, bei dem ein großer Teil des Berges weggesprengt wurde. Cashman und Hoblitt untersuchten jetzt seine Asche aus der Zeit vor dem Ausbruch 1980. Sie stellten fest, dass in den Partikeln bereits junges Magma enthalten war. Dieses Material wurde bislang nicht erkannt, da das vulkanische Glas zahlreiche Kristalle enthält. Nach Meinung der Forscher ist dies ein Zeichen dafür, dass das neue Magma rasch aus großer Tiefe bis an die Oberfläche aufstieg und dabei entgaste.
Cashman und Hoblitt fanden heraus, dass junges Magma bereits zwei Wochen nach dem Erwachen des Vulkans am 28. März 1980 in der Asche enthalten war. Anfang Mai, zwei Wochen vor der Explosion, erhöhte sich der Anteil des jungen Magmas. Die Forscher hoffen, dass sich ihre Erkenntnisse für die Vorhersage von Eruptionen bei anderen Vulkanen nutzen lassen.
Ute Kehse





