von THORSTEN DAMBECK
Unter den acht Planeten im Sonnensystem gilt der Mars als besonders erdähnlich. Schon 1781 äußerte William Herschel die Vermutung, dass die im Fernrohr sichtbaren hellen marsianischen Polkappen dem irdischen Eis an Nord- und Südpol ähneln und womöglich eine Wasserquelle darstellen. Zudem fand der britisch-deutsche Astronom drei Jahre später Hinweise auf eine Marsatmosphäre. Denn bei sehr engen, quasi streifenden Begegnungen mit Sternen schien der Planet etwas von deren Licht zu dimmen. Herschel spekulierte, dass Marsbewohner „wahrscheinlich ähnliche Bedingungen wie unsereiner genießen“.
Im 18. Jahrhundert war es durchaus üblich, von Lebewesen auf anderen Planeten auszugehen. Heute stößt sogar die Frage nach Marsmikroben auf Skepsis. Es ist jedoch klar, dass Herschel zumindest bezüglich der Eiskappen richtig lag: Sie bestehen zu mindestens 90 Prozent aus Wassereis – und nicht aus gefrorenem Kohlendioxid, das man fälschlich lange als Hauptkomponente vermutete. Solches Trockeneis macht nur einige Prozentpunkte aus; hinzu kommt noch mineralischer Staub. Als Gas ist CO2 mit 96 Prozent aber die häufigste Komponente der dünnen Atmosphäre. Im bitterkalten Winter kann es sich als Schnee oder Reif am Boden niederschlagen. Auch im Sommer bleibt am Südpol, anders als am Nordpol, eine oberflächliche Schicht aus Trockeneis erhalten.
Eiskappen im Norden und Süden
Wie die Erde weist auch der Mars Jahreszeiten auf. Sie sind eine Folge der Neigung seiner Drehachse von 25,2 Grad (Erde: 23,4 Grad). Generell ist es auf dem Mars wegen seiner Sonnenferne viel kälter als bei uns. Das gilt auch für die Marspole. In der marsianischen Antarktis liegt das Eis topografisch um mehrere Kilometer höher, sodass es dort aber noch kälter ist: Im Winter werden dort minus 130 Grad Celsius gemessen, teils sogar noch weniger.
Die jahreszeitliche Zu- und Abnahme der Sonneneinstrahlung lässt die Ausdehnung der Eiskappen schwanken, was man schon mit kleineren Fernrohren erkennen kann. Im jeweiligen Sommer sind beide Kappen zwar deutlich kleiner als im Winter. Doch auch in der wärmeren Jahreszeit überdauert ein permanenter Bestand an Wassereis. Am Südpol müsste man sich jedoch erst durch einige Meter Trockeneis graben, um auf die kilometerdicken Wassereismassen zu stoßen.
Trotzdem haben auch die sommerlichen Polkappen immer noch stattliche Ausmaße: So misst die nördliche Eiskappe rund 1.100 Kilometer und bedeckt eine Fläche von rund einer Million Quadratkilometern, was etwa der doppelten Ausdehnung Spaniens entspricht. Die Südpolkappe ist im Marssommer mit 350 Kilometer Durchmesser deutlich kleiner. Gleichwohl ist in beiden Polargebieten das Eisvolumen mit je 1,6 Millionen Kubikkilometern etwa gleich groß. Das belegen Radarmessungen aus dem Orbit. Zum Vergleich: Der Eisschild von Grönland umfasst rund 2,85 Millionen Kubikkilometer.





