Ein riesiger Verwandter heutiger Meerschweinchen war etwa so groß wie ein Büffel: Der größte Nager, der jemals die Erde bevölkerte, lebte vor etwa acht Millionen Jahren und wog 700 Kilogramm. Den Riesennager “Phoberomys pattersoni” konnten Forscher bisher nur anhand einzelner Zähne und Knochen identifizieren. Doch nun hat ein internationales Forscherteam in Venezuela den Großteil des Skelettes eines Exemplares und Teile des Schädels eines weiteren Artgenossen entdeckt. Die fossilen Überreste der beiden Großnager liefern neue Hinweise auf die ungewöhnliche Art und die Tierwelt Venezuelas zu seiner Zeit, berichten die Biologen aus Deutschland, Venezuela und den USA in der Fachzeitschrift Science (Bd. 301, S. 1708).
Marcelo Sánchez-Villagra von der Universität Tübingen und seine Kollegen entdeckten die fossilen Überreste bereits im May 2000 in einer trockenen Gegend, 400 Kilometer westlich der Hauptstadt Caracas. Doch einst lebte der Riesennager ebenso wie seine heute noch lebenden Verwandten, die Capybaras, am und im Wasser und suchte vermutlich an Flussrändern nach Nahrung, verraten die Funde.
Der Nager war etwa 3 Meter lang, 1,3 Meter hoch, hatte stets nachwachsende Zähne und einen langen Schwanz, mit dessen Hilfe er auf seinen Hinterbeinen balancieren konnte. Die Hinterbeine waren wesentlich größer und kräftiger als die vorderen Gliedmaßen – ähnlich wie beim heutigen Meerschweinchen, das allerdings nur etwa ein Kilogramm wiegt.
Phoberomys pattersoni war etwa zehn mal so schwer wie sein größte heute lebende Verwandter, das Capybara. Diese Riesennager sind ebenfalls mit den Meerschweinchen verwandt und leben in den Feuchtgebieten Südamerikas. Capybaras werden bis zu 130 Zentimeter lang und bis zu 50 Zentimeter hoch. Sie können ein Gewicht von 70 Kilogramm erreichen.
Ausgestorben ist der gigantische Nager vermutlich aufgrund seiner Größe. Zierlichere Verwandte hatten die Möglichkeit, bei Angriffen von Feinden in kleinen Höhlen und Löchern zu verschwinden. Phoberomys pattersoni blieb aber nur die Flucht ? doch dafür war der Riese möglicherweise nicht schnell genug, schreibt der Biologe R. McNeill Alexander in einem Kommentar.
ddp/bdw – Cornelia Pfaff





