Die dichte Atmosphäre des Planeten Venus ist extrem unbeständig: Messungen der europäischen Sonde Venus Express zeigen, dass sich die Struktur der Gashülle von Tag zu Tag und damit extrem schnell verändert. Das stellten Forscher um Giuseppe Piccioni vom römischen Forschungsinstitut IASF-INAF mit Hilfe des Infrarot-Spektrometers Virtis fest.
Venus Express befindet sich seit Anfang 2006 in einer Umlaufbahn um die Venus und umrundet den Planeten einmal pro Tag. Die Atmosphäre der Venus besteht zu 96,5 Prozent aus Kohlendioxid und zu 3,5 Prozent aus Stickstoff. Am Boden erreicht der Druck das 90-fache des Erdatmosphärendrucks, die Temperatur liegt bei 400 Grad Celsius. In der 20 Kilometer dicken Wolkenschicht bilden sich Tröpfchen aus reiner Schwefelsäure sowie Chlor- und Fluor-Verbindungen.
Die Messungen von Venus Express zeigen, dass die Gashülle in drei Zonen unterteilt ist, sagt Projektwissenschaftler Giuseppe Piccioni: “Die mittleren Breiten scheinen eine Art Übergangszone zu sein, in der die Luft gleichmäßig strömt. Am Äquator bilden sich Konvektionszellen, wohingegen die Polarregionen von gewaltigen Wirbeln beherrscht werden.”
Die Struktur und Richtung der Luftströmungen bleiben zwar über längere Zeit konstant, aber die Intensität der Turbulenz ändere sich von Umlauf zu Umlauf, berichtet Pierre Drossart vom Observatoire de Paris, der zweite Projektleiter für das Infrarot-Spektrometer. Vor allem an beiden Polen bilden sich beeindruckende Stürme: Wirbel mit einem Durchmesser von bis zu 2.000 Kilometern, die zwei “Augen” besitzen. Auch der Wirbel am Südpol, von den Forschern “polarer Dipol” genannt, verändert seine Form rasch.
Nach der Analyse der gewaltigen Datenberge, die Venus Express inzwischen zur Erde geschickt hat, rechnen die Forscher mit weiteren Überraschungen. Ein Ende ist nicht abzusehen: Die Raumsonde befindet sich in ausgezeichneter Verfassung, meldet die Esa ? dabei ist sie wesentlich härteren Bedingungen ausgesetzt als die Schwestersonde Mars Express.
Ute Kehse





