von THORSTEN DAMBECK
Herzliche Grüße an alle“, lautet die deutschsprachige Kurzbotschaft, die seit 1977 zu den Sternen fliegt. Zu Beginn dieses Jahres hatte die NASA entschieden, ihre beiden Voyager-Sonden mit einer Art Visitenkarte für mögliche Bewohner benachbarter Sternsysteme auszustatten. Nach ihrem Besuch bei den äußeren Planeten sollten die Raumsonden nämlich das Sonnensystem für immer verlassen.
An Bord jeder Sonde befindet sich in einem Aluminium-Behälter eine Audio- und Bildplatte: die Voyager Golden Record. Neben gesprochenen Grußbotschaften in 55 Sprachen enthalten die Platten 116 Fotos und Bilder, klassische und traditionelle Musik, Rock-n-Roll und Walgesänge sowie Ansprachen des damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter und des UNO-Generalsekretärs Kurt Waldheim. Unter Weltraumbedingungen dürften die vergoldeten Datenträger schätzungsweise bis zu einer Milliarde Jahre durchhalten. Das könnte für clevere Aliens reichen, die Platten zu bergen und ein Abspielgerät zu konstruieren.
Die Neugier der anderen
Womöglich ist unsere Existenz irgendwo in der kosmischen Nachbarschaft jedoch längst bemerkt worden. Die Astronominnen Lisa Kaltenegger von der Cornell University im Bundesstaat New York und Jackie Faherty vom American Museum of Natural History in New York City wollten es genauer wissen. In einer aktuellen Studie haben sie eine Liste naher Sterne erstellt, bei denen ihre hypothetischen außerirdischen Kollegen unsere Erde aufgespürt haben könnten.
Die beiden Forscherinnen gingen von der Idee aus, dass den Aliens die gleichen Techniken zur Verfügung stehen, die wir selbst anwenden, um extrasolare Planeten zu entdecken. Das ist vor allem die Transit-Methode, mit der bislang rund 3500 Exemplare aufgespürt wurden. Das sind mehr als 70 Prozent der bekannten „Exoplaneten“ (bild der Wissenschaft 2/2017, „Die Vermessung der Welten“). Die indirekte Methode setzt darauf, dass die Helligkeit von Sternen akribisch vermessen wird. Denn immer dann, wenn ein sonst unsichtbarer planetarer Begleiter an seinem Heimatstern vorüberzieht und ihn dabei etwas abdunkelt, ist man einem Kandidaten auf der Spur. Wiederholt sich diese Lichtabnahme periodisch, ist der Exoplanet nachgewiesen.
Bei solchen Transits sind große Planeten leichter zu finden als kleine. Beispielsweise verdunkelt Jupiter die Sonne um rund 1,1 Prozent, die viel kleinere Erde aber nur um 0,08 Promille. Zudem lassen sich schneller Planeten entdecken, die auf engen Bahnen um ihren Stern kreisen. Während das bei der Erde nur ein Jahr dauert, braucht Jupiter dafür fast zwölf Jahre.
Dynamische Geometrie
Könnten also Aliens die Erde aufspüren? Diese Frage hat sich die in Österreich geborene Lisa Kaltenegger gestellt. Sie leitet das nach dem berühmten Astronomen und Sachbuchautor Carl Sagan benannte Cornell-Institut für die Suche nach lebensfreundlichen Welten im All. Ihre neue Studie zeigt, dass sich die Erde vor neugierigen Aliens nicht verstecken kann, denn Transits sind eine wirksame Methode, um unseren Heimatplaneten zu finden. Außerirdische Astronomen brauchten dabei keine bessere Beobachtungstechnik als die heutigen Fernrohre an Bord von Satelliten.





