Wenn ein pilzförmiger Strom heißen Gesteins langsam aus den Tiefen des Erdmantels an die Oberfläche dringt, kann das einschneidende Folgen haben: Die Plumes schieben Kontinente auseinander, pressen Unmengen von heißem Magma aus der Erde hervor, und womöglich können die damit verbundenen Ausdünstungen ein weltweites Artensterben auslösen. Ein neues Buch über die geheimnisvollen “Plumes” haben jetzt Kenneth Buchan und Richard Ernst vom Geological Survey of Canada herausgegeben (“Mantle Plumes: Their Identification through time”.)
Ähnlich wie ein Atompilz arbeiten sich Mantelplumes von der Grenze zwischen Erdkern und Erdmantel nach oben, da sie aus heißerem und leichterem Material bestehen als die umgebenden Gesteine. Wenn der Kopf des Pilzes an der Erdoberfläche ankommt, schmilzt das Magma teilweise auf, und es können sich ungeheure Mengen Basalt über die Erdoberfläche ergießen.
Vor 16 Millionen Jahren entstanden zum Beispiel solche Flutbasalte am Columbia River in den heutigen USA. Berühmt sind auch die so genannten Deccan Traps aus Indien, wo vor etwa 66 Millionen Jahren mehr als zwei Millionen Kubikkilometer Basalt ausflossen, und die sibirischen Flutbasalte, die vor 250 Millionen Jahren entstanden.
Da beide Ereignisse etwa zeitgleich mit zwei der größten Öko-Katastrophen der Erdgeschichte auftraten ? vor 65 Millionen Jahren starben die Dinosaurier aus, vor 250 Millionen Jahren endete das Erdaltertum mit der Vernichtung von mehr als 90 Prozent aller Tierarten ? glauben viele Experten, dass die Mantelplumes etwas mit dem Massensterben zu tun haben könnten.
Buchan und Ernst sind vor allem auf der Suche nach noch älteren Plumes. In ihrem Buch geben sie Hinweise darauf, wie man sie auf der Erde finden kann. Auch auf den Nachbarplaneten Venus und Mars, deren Kruste nicht durch die Plattentektonik ständig erneuert wird, gibt es Plumes. Die Untersuchung dieser Gebilde könnte auch das Verständnis für die irdischen Plumes fördern, schreiben die beiden Forscher.
Ute Kehse





